Tirana: Polizei nahm Demonstranten im Hof der Kathedrale fest
Die Albanische Orthodoxe Kirche protestierte gegen Festnahmen im Hof der Auferstehungskathedrale in Tirana und rief zum Verzicht auf Gewalt auf.
Am 19. Oktober 2026 betraten albanische Polizisten bei der Verfolgung von Demonstranten den Hof der Auferstehungskathedrale in Tirana und nahmen mehrere Menschen fest. Der Vorfall löste einen offiziellen Protest der Albanischen Orthodoxen Kirche aus. Darüber berichtet die albanische Redaktion der UOJ.
Die Kirche äußerte tiefe Besorgnis über den Vorfall und rief die Behörden dazu auf, den heiligen Charakter kirchlicher Orte zu achten. Die Auferstehungskathedrale sei ein heiliger Ort des Gebets, an dem Gottesdienste gefeiert und eine Kultur des Friedens verkündet werde, betonte sie in ihrer offiziellen Erklärung. „Heilige Stätten sind niemals Räume für Konflikte und Auseinandersetzungen.“ Die Kirche rief die Beteiligten außerdem dazu auf, auf Gewalt zu verzichten und Lösungen im Dialog zu suchen.
In einem gesonderten Appell wandte sich Metropolit Anastasios von Korçë an die Sicherheitskräfte und forderte sie auf, Willkür unverzüglich zu beenden. Die Polizei müsse sofort in den Rahmen des Gesetzes zurückkehren und jede Form von Gewalt aufgeben. Wer staatliche Macht missbrauche, müsse wissen, dass seine Verantwortung nicht vor dem Gesetz ende, sondern sich auch auf das Urteil der Geschichte erstrecke, erklärte der Hierarch. Die Sicherheitskräfte trügen zudem Verantwortung für mögliche Folgen einer weiteren Eskalation.
Der Schutz religiöser Stätten in Albanien ist in einem Abkommen zwischen dem Ministerrat und der Albanischen Orthodoxen Kirche verankert, das durch das Gesetz Nr. 10057 ratifiziert wurde. Es untersagt staatliche Eingriffe in Gebäude und Einrichtungen für religiöse Zeremonien, sieht jedoch Ausnahmen vor, etwa bei einer Festnahme auf frischer Tat oder aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung.
Zuvor hatte die UOJ berichtet, dass der Interreligiöse Rat Albaniens angesichts der Spannungen im Land und der Proteste zum Frieden aufgerufen hatte.
