Belgien: Bei jeder vierten Euthanasie war kein baldiger Tod zu erwarten
Laut Kontrollkommission betrafen 2025 mehr als 1000 Euthanasiefälle Menschen, deren Tod nicht in naher Zukunft erwartet wurde.
In Belgien betraf 2025 fast jeder vierte registrierte Fall von Euthanasie einen Menschen, dessen Tod nicht in naher Zukunft erwartet wurde. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf einen Bericht der Föderalen Kontroll- und Evaluierungskommission für Euthanasie.
Dem Bericht zufolge entfielen 1117 Fälle beziehungsweise 24,9 Prozent aller gemeldeten Euthanasiefälle auf Menschen mit schweren Erkrankungen, bei denen jedoch kein kurzfristiger Tod zu erwarten war. Dazu zählten auch bei älteren Menschen verbreitete Leiden. Ein Teil der Betroffenen hatte aufgrund psychischer oder kognitiver Störungen, etwa einer Demenz mit Verlust des Erinnerungs- und Denkvermögens, um Euthanasie gebeten. Andere litten an chronischen Erkrankungen.
Die meisten Verstorbenen waren ältere Menschen. Unter den Betroffenen befand sich jedoch auch ein Jugendlicher.
Nach den Angaben bestätigte die Kommission 85,6 Prozent der gemeldeten Fälle bereits bei der ersten Beratung, ohne zusätzliche Angaben zu den Patienten anzufordern. Im Vorjahr hatte dieser Anteil 80 Prozent betragen. In den übrigen Fällen wurden die Ärzte um ergänzende Informationen gebeten; letztlich wurden auch diese Fälle gebilligt.
Mit 4486 registrierten Euthanasiefällen wurde 2025 ein Höchststand erreicht. Das waren 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr und rund vier Prozent aller Todesfälle in Belgien. Seit der Legalisierung im Jahr 2002 starben dort mehr als 42.000 Menschen durch Euthanasie.
Für Erwachsene setzt das belgische Gesetz nicht voraus, dass der Tod unmittelbar bevorsteht. Seit 2014 können unter besonderen Voraussetzungen auch urteilsfähige Minderjährige Euthanasie beantragen.
Zuvor hatte die UOJ berichtet, dass Papst Leo XIV. die Legalisierung der Euthanasie in Frankreich kritisiert hatte.
