Priester Roman Tarabrin analysiert bioethische Fragen künstlicher Befruchtung
Vortrag des Bioethikers bei der Jubiläumskonferenz der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche nun im „Boten“ veröffentlicht.
Priester Roman Tarabrin, Mitglied der Synodalen Kommission für Bioethik der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), hielt einen Vortrag über die Erfahrungen der ROK bei der Entwicklung einer bioethischen Position zu assistierten Reproduktionstechniken. Der Vortrag wurde auf dem Bischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) im Frühjahr in Deutschland im Rahmen des Jubiläums der deutschen Diözese gehalten und nun als Text im ROKA-Diözesanorgan „Der Bote“ veröffentlicht, wie die ROKA am 6. Oktober 2026 auf ihrem Telegram-Kanal mitteilte.
Priester Roman Tarabrin zeichnet die Entwicklung der innerkirchlichen Diskussion über assistierte Reproduktionstechniken, insbesondere die In-vitro-Fertilisation (IVF), nach. Dabei untersucht er Widersprüche und offene Fragen in den „Grundlagen der Sozialdoktrin der Russischen Orthodoxen Kirche“ sowie die unterschiedlichen Positionen, die sich seit Ende der 1990er-Jahre innerhalb der russisch-orthodoxen Bioethik herausgebildet haben.
Ein Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Arbeit der Theologischen Kommission der Zwischenkonziliaren Versammlung und der später eingerichteten synodalen Bioethik-Kommission. Der Geistliche beschreibt, wie Unfruchtbarkeit im Dialog zwischen theologischen und medizinischen Fachleuten als Krankheit beziehungsweise als soziale Form der Unfruchtbarkeit unterschieden wurde. Bei pathologische Unfruchtbarkeit wurde dabei die Möglichkeit medizinischer Behandlung einschließlich bestimmter Formen der IVF erörtert, während soziale Unfruchtbarkeit nicht als medizinisch zu behandelnde Krankheit verstanden wird.
Der Vortrag befasst sich außerdem mit den ethischen Grenzen einzelner Verfahren. Im Mittelpunkt stehen insbesondere der Umgang mit Embryonen, die Kryokonservierung, die Präimplantationsdiagnostik, die Keimzellenspende und die Leihmutterschaft. Priester Roman Tarabrin erläutert die Überlegungen, die hinter dem Entwurf eines kirchlichen Dokuments zur IVF standen, und zeigt zugleich, warum dieser Entwurf nicht zu einer endgültigen offiziellen Position der Russischen Orthodoxen Kirche führte.
Zum Abschluss empfiehlt der Priester, die weitere Diskussion stärker auf eine Zusammenarbeit von Theologen und Fachleuten aus Medizin und Naturwissenschaften zu stützen. Vorgesehen seien unter anderem lokale Bioethik-Kommissionen, Gespräche mit Reproduktionsmedizinern, Genetikern, Kinderärzten und Soziologen sowie Bildungsangebote. Kinderlose Ehepaare sollten sich zudem an besonders qualifizierte Priester wenden können. Eine breitere Beteiligung der orthodoxen Gemeinschaft und die anschließende Beratung auf dem Bischofskonzil könnten nach seiner Darstellung zu einer weiterentwickelten und fundierteren orthodoxen bioethischen Entscheidungsfindung beitragen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die deutsche Diözese der ROKA die Lebensläufe aller ihrer Bischöfe veröffentlichte.
