„Wenn wir auf ein anderes Leben warten, bleibt das Gute ungetan“

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Priester Matthias Fröse predigte in Meisenheim. Foto: Screenshot YouTube Priester Matthias Fröse predigte in Meisenheim. Foto: Screenshot YouTube

Priester Matthias Fröse sprach über Gottes Gnade, die anvertrauten Gaben und die Verantwortung gegenüber dem Nächsten.

Am Sonntag, dem 20. September 2026, sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus in Mainz in deren Außenstelle Meisenheim über das Gleichnis von den Talenten und die Frage, wie Christen die ihnen von Gott geschenkten Gaben zum Segen für andere einsetzen können. Die Gemeinde veröffentlichte das Video der Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Ausgehend von der Mahnung des Apostels Paulus, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen (2 Kor 6,1–10), betonte Priester Matthias Fröse, dass der christliche Glaube nicht in erster Linie eine Aufforderung zu immer größeren Anstrengungen sei. Vielmehr gehe es darum, der bereits geschenkten Gnade Gottes Raum zu geben, damit sie das eigene Denken und Handeln verändere und durch den Menschen auch andere erreiche.

Das Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14–30) zeige, dass jedem etwas anvertraut sei und nicht alle dieselben Voraussetzungen hätten. Entscheidend sei die Treue im Umgang mit den eigenen Gaben, nicht der Vergleich mit anderen. „Wenn wir auf ein anderes Leben warten, bleibt das Gute ungetan“, sagte der Priester.

Anhand der Geschichte des Wüstenvaters Pambo von Nitrien machte der Geistliche in seiner Predigt deutlich, dass Fasten, Gebet und Almosen ihre Bedeutung nicht losgelöst vom Umgang mit dem Nächsten entfalten könnten. Gottes Gnade könne sich auch in unscheinbaren Gesten zeigen: aufmerksam zuzuhören, auf abfällige Bemerkungen zu verzichten, um Vergebung zu bitten oder einen Schritt zur Versöhnung zu wagen. Die Angst vor Fehlern oder Zurückweisung dürfe nicht dazu führen, das Gute zu vergraben. Zugleich bedeute Nächstenliebe nicht, sich schutzlos Unrecht auszusetzen.

Mit Blick auf die Vorfeier der Geburt der Gottesmutter erinnerte Priester Matthias Fröse an Joachim und Anna, die nach kirchlicher Überlieferung lange auf die Geburt Marias gewartet hatten. Maria habe Gottes Gabe im Vertrauen angenommen und ihr Leben in seinen Dienst gestellt, obwohl sie den vor ihr liegenden Weg noch nicht überblicken konnte. Ihr Weg führte sie schließlich bis unter das Kreuz ihres Sohnes. Dort werde die Liebe Gottes sichtbar, der sich in Christus selbst für die Menschen hingibt. Die Predigt endete mit der Bitte um die Fürsprache der Gottesmutter und dem Wunsch, dass Gottes Gnade in den Menschen Frucht bringe und zum Segen für ihre Mitmenschen werde.

Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbisch-orthodoxe Metropolit Grigorije in Stuttgart sein Buch „Wir brauchen einander“ vorstellte.

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