Deutschsprachige Liturgie ab sofort jeden Sonntag in Offenbach

In Offenbach wird nun sonntäglich eine deutschsprachige Liturgie angeboten. Fotos: Gemeinde

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde „Sfântul Mare Ierarh Nicolae“ in Offenbach am Main feiert zusätzlich zur rumänischen Liturgie nun jeden Sonntag eine vollständige Göttliche Liturgie auf Deutsch. Priester Stefan Anghel sieht darin vor allem eine Möglichkeit für die in Deutschland aufgewachsenen Generationen und deutschsprachige Interessierte, aktiv am Gottesdienst teilzunehmen. Darüber berichtete die Gesellschaft „Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa“ (DOM) auf ihrer Webseite.

Die erste vollständig deutschsprachige Göttliche Liturgie wurde am 6. September 2026, dem 14. Sonntag nach Pfingsten und dem Fest des Wunders von Chone des Erzengels Michael, gefeiert. Von nun an gibt es jeden Sonntag zwei Göttliche Liturgien: eine auf Rumänisch und eine auf Deutsch.

Die deutschsprachige Feier beginnt um 9 Uhr mit einem Akathist, anschließend wird die vollständige Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos gefeiert. Der Orthros vor dem sonntäglichen Gottesdienst wird weiterhin ausschließlich auf Rumänisch gefeiert.

Für die deutsche Liturgie wird die ältere, dem heiligen Hierarchen Nikolaus geweihte Kirche der Gemeinde genutzt. Während dort der deutschsprachige Gottesdienst stattfindet, wird in der wenige Meter entfernten, im Juni 2026 geweihten neuen Kirche „Sonntag der Rumänischen Heiligen“ die rumänische Liturgie gefeiert. Damit finden sonntags zwei Liturgien in zwei Sprachen statt.

Mit dem zusätzlichen deutschsprachigen Gottesdienst reagiert die Gemeinde auf die Entwicklung ihrer Gläubigengemeinschaft. Viele Kinder und Enkel der aus Rumänien stammenden Gemeindemitglieder sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Hinzu kommen deutschsprachige Ehepartner, Freunde und Menschen ohne rumänische Wurzeln, die sich für die Orthodoxie interessieren.

Protopop Stefan Anghel, Priester der Gemeinde, bezeichnete die Einführung der deutschen Liturgie als Erfüllung eines lang gehegten Wunsches: „Unsere Kinder sind hier geboren. Sie sollen nicht raten müssen, was in der Kirche gesprochen wird, sondern mitbeten können.“

Priester Stefan Anghel betonte zugleich, dass die Verwendung der deutschen Sprache keinen Bruch mit der orthodoxen Überlieferung darstelle. Die orthodoxe Kirche habe von jeher in den Sprachen der Völker gebetet. „Die Sprache ist nicht der Glaube. Sie ist die Tür, durch die er ins Herz findet“, sagte der Priester.

Auch die Wahl der alten Kirche für die deutschsprachige Liturgie hat für Anghel eine besondere Bedeutung: „Dass es die Kirche des heiligen Nikolaus ist, in der wir angefangen haben, ist kein Zufall – dort hat unsere Gemeinde immer neu begonnen.“

Die rumänische Sprache bleibt weiterhin ein wesentlicher Bestandteil des Gemeindelebens. Die rumänische Göttliche Liturgie wird wie gewohnt gefeiert; auch weitere Gottesdienste und Aktivitäten der Gemeinde finden weiterhin auf Rumänisch statt. Die zusätzliche Liturgie auf Deutsch soll die bisherige Praxis nicht ersetzen, sondern erweitern.

Die Gemeinde „Sfântul Mare Ierarh Nicolae“ wurde 1975 gegründet und gehört zu den größeren rumänisch-orthodoxen Gemeinden in diesem Teil Deutschlands. Zur deutschsprachigen Liturgie in der Backstraße 16 sind sowohl Gemeindemitglieder als auch Gäste eingeladen.

Die UOJ berichtete zuvor, dass Bischof Irenei in einer neuen Videobetrachtung verdeutlichte, dass christliche Einheit nur „Einheit in der Wahrheit“ bedeuten könne. 

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