Dissertation stellt Machtanspruch des Patriarchen von Konstantinopel infrage
Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel steht im Zentrum der Kritik an der heutigen Primatstheorie des Patriarchats von Konstantinopel. Foto: Orthodox Observer
Der Abt des russisch-orthodoxen St.-Andreas-Klosters in Moskau, Dionysius (Shlenov), hat seine theologische Doktorarbeit über den Primat des Patriarchen von Konstantinopel verteidigt. Darin kommt er zu dem Schluss, dass der heutige Anspruch des Patriarchats auf eine besondere übergeordnete Autorität in der Orthodoxen Kirche weder kanonisch noch historisch oder theologisch begründet sei, berichtete die ukrainische Redaktion der UOJ am 20. August 2026.
Die Dissertation mit dem Titel „Zur Verteidigung der konziliaren Struktur der Orthodoxen Kirche: Die Theorie des Primats des Patriarchen von Konstantinopel und ihre Kritik“ wurde an der Moskauer Theologischen Akademie verteidigt. Abt Dionysius leitet dort das Graduiertenprogramm und ist Vorsteher des St.-Andreas-Stavropegischen Klosters in Moskau.
Nach seiner Analyse widerspricht die moderne Primatstheorie der traditionellen konziliaren Ordnung der Orthodoxen Kirche. Christus allein sei das Haupt der Kirche, während die einzelnen autokephalen Kirchen untereinander gleichberechtigt seien. Ein Patriarch könne daher keine übergeordnete Autorität über die anderen Ortskirchen beanspruchen.
Abt Dionysius kritisiert insbesondere die Auslegung kirchenrechtlicher Bestimmungen und historischer Präzedenzfälle, mit denen der Anspruch des Patriarchats von Konstantinopel auf eine besondere Zuständigkeit für die orthodoxe Diaspora und auf die Behandlung von Berufungen aus anderen Kirchen begründet wird. Auch den 28. Kanon des Konzils von Chalcedon interpretiert er anders als die heutige Lehre des Patriarchats: Die dort beschriebene Zuständigkeit habe ursprünglich nur bestimmte byzantinische Gebiete betroffen und sei nicht als Grundlage für eine weltweite Jurisdiktion gedacht gewesen.
Die Dissertation kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die Durchsetzung dieser Primatstheorie wesentlich zur heutigen Spaltung der Orthodoxen Kirche beigetragen habe. Die Ausweitung des eigenen Zuständigkeitsanspruchs durch das Phanar und Patriarch Bartholomäus habe nach Darstellung der Dissertation letztlich auch zur heutigen Verfolgung der kanonischen Ukrainisch-Orthodoxen Kirche beigetragen. Der Autor sieht die Wahrung der konziliaren Struktur als entscheidend für die Einheit der Weltorthodoxie und regt weitere Forschungen zur Geschichte der Autokephalie und zur Entwicklung des orthodoxen Kirchenrechts an.
Die UOJ berichtete zuvor, dass das Jerusalemer Patriarchat zum Hochfest der Verklärung des Herrn die Liturgie auf dem Berg Tabor feierte.
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