Erzpriester Martinos Petzolt: Aus orthodoxer Sicht gibt es nur eine Kirche Christi

Erzpriester Martinos Petzolt erläutert im Video die orthodoxe Sicht auf Ökumene und interreligiösen Dialog. Foto: Screenshot YouTube

Der Verein „Orthodoxe Einheit“ veröffentlichte am 10. Juni 2026 auf seinem YouTube-Kanal ein neues Video mit Erzpriester Martinos Petzolt aus Würzburg. Der griechisch-orthodoxe Geistliche spricht darüber, warum die Ökumene aus orthodoxer Sicht klare Grenzen hat und worin die wesentlichen Unterschiede zu anderen christlichen Konfessionen und Religionen liegen.

Erzpriester Martinos Petzolt verweist auf eine „klare Linie“ seiner griechisch-orthodoxen Metropolie im Umgang mit interreligiösen Begegnungen: Orthodoxe Priester sollten an gemischtreligiösen Veranstaltungen mit Vertretern nicht-christlicher Religionen nicht teilnehmen. Treffen mit Christen anderer Konfessionen seien hingegen möglich, allerdings ohne priesterliche Insignien und ohne sakramentalen Charakter. Entscheidend sei dabei immer die Unterscheidung zwischen Dialog und gemeinsamem religiösem Handeln.

Der Dialog mit Andersgläubigen habe in der Kirchengeschichte eine lange Tradition, betont der Erzpriester unter Verweis auf frühe Kirchenväter. Dieser Austausch bedeute jedoch nicht, dass unterschiedliche Glaubensvorstellungen gleichgesetzt werden könnten. Zwar gebe es nach orthodoxem Verständnis nur einen Gott, doch existierten „falsche Gottesbilder“ und abweichende Lehren, die ein gemeinsames Gebet ausschlössen.

Besonders deutlich zieht der Geistliche diese Grenze gegenüber Judentum und Islam, etwa in der Frage der Menschwerdung Gottes, die im orthodoxen Glauben zentral ist.

Aber auch innerhalb des Christentums sieht er Differenzen, etwa in theologischen Fragen zur Trinität oder zum Priestertum. Gleichwohl erkennt er gemeinsame Grundlagen wie Evangelium und Teile der sakramentalen Praxis an und verweist auf die jahrhundertelange gemeinsame Kirchengeschichte.

Die Vorstellung, Einheit entstehe aus der Vielfalt unterschiedlicher Konfessionen, weist der Erzpriester zurück. Aus orthodoxer Sicht gebe es nur die eine Kirche Christi, von der andere Gemeinschaften mehr oder weniger abgewichen seien. Aufgabe der Orthodoxie sei es aber nicht, andere zu bewerten, sondern den eigenen Glauben authentisch zu leben. Andere Christen müssten selbst prüfen, inwieweit ihre Lehre mit der überlieferten orthodoxen Tradition übereinstimme.

Die UOJ berichtete zuvor, dass eine historische Liturgie auf der Insel Imbros drei orthodoxe Kirchenoberhäupter vereinte.

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