Priester Alexej Veselov plädierte für bewusste Vorbereitung auf Ehe und Familie
Priester Alexej Veselov bei seinem Vortrag über Ehe und Familienleben beim orthodoxen Jugendtreffen in Krefeld. Foto: Screenshot YouTube
Der YouTube-Kanal OrthMedien des Orthodoxen Informationszentrums aus Krefeld hat am 22. Mai 2026 ein neues Video mit Priester Alexej Veselov veröffentlicht. Darin geht es um die Frage, wie man in der Ehe leben und Kinder erziehen kann – nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als bewusster Lernprozess. Der Vortrag des Geistlichen wurde beim orthodoxen Jugendtreffen im vergangenen Jahr in der russisch-orthodoxen St.-Barbara-Kirche in Krefeld gehalten und nun veröffentlicht.
Im Zentrum des Vortrags steht die These, dass gelingende Ehe und Familienleben nicht dem Zufall überlassen werden dürfen. Priester Alexej Veselov betont, dass es – anders als in nahezu allen anderen Lebensbereichen – kaum systematische Vorbereitung auf Ehe und Elternschaft gebe. Während Berufe jahrelange Ausbildung erfordern, fehle ein entsprechendes Lernen für das Familienleben. Dies sei ein zentraler Grund für hohe Scheidungsraten und anhaltende Konflikte in Beziehungen. Viele Paare handelten nach dem Prinzip „Versuchen wir es einfach“, ohne über grundlegende Kenntnisse zu Kommunikation und Beziehungsgestaltung zu verfügen.
Anhand konkreter seelsorgerischer Erfahrungen schildert der Geistliche im Video typische Probleme. So berichtet er von einem Ehepaar, das trotz gegenseitiger Zuneigung kurz vor der Scheidung stand – schlicht, weil es über Jahre hinweg nicht mehr miteinander gesprochen hatte. Solche Beispiele verdeutlichen für ihn, dass viele Krisen vermeidbar wären. „Ich bin überzeugt, die meisten Scheidungen lassen sich vermeiden und die meisten Ehen könnten glücklich sein, wenn man den Menschen beibringt, richtig miteinander zu leben und Kinder richtig zu erziehen“, erklärt der Priester.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Prägung durch die Herkunftsfamilie. Menschen übernähmen unbewusst Verhaltensmuster ihrer Eltern, selbst wenn sie diese eigentlich ablehnten. Unterschiedliche familiäre, kulturelle und soziale Hintergründe führten in Ehen häufig zu Missverständnissen und Konflikten. Deshalb sei es notwendig, sich aktiv Wissen anzueignen – sowohl aus geistlicher Perspektive als auch aus Psychologie und Pädagogik. Priester Alexej Veselov empfiehlt ausdrücklich, neben orthodoxer Literatur auch fachliche Werke moderner Autoren zu nutzen.
Abschließend unterstreicht der Priester seinen optimistischen Blick: Noch nie seien die Möglichkeiten so groß gewesen, sich auf Ehe und Familie vorzubereiten – durch Bücher, Seminare und Beratung. Entscheidend sei jedoch, diese Angebote auch zu nutzen. Ehe, so sein Fazit, sei keine spontane Fähigkeit, sondern etwas, das gelernt werden könne – und gelernt werden müsse.
Die UOJ berichtete zuvor, dass ein katholischer Geistlicher wegen seiner Aussagen im Schulunterricht freigestellt wurde.
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