Zwischen Ikonen, Kinderlachen und dem Duft von Heimat

Es war kein gewöhnlicher Schultag an der Gemeinschaftsgrundschule Ernst-Bergstraße. Wo sonst Rechenaufgaben gelöst und Pausenbrote ausgepackt werden, erfüllten an diesem Tag Gesänge, Gebete und das vielsprachige Stimmengewirr eines besonderen Ereignisses die Flure: Zum ersten Mal in der Kölner Stadtgeschichte wurde hier ein orthodoxes Osterfest gefeiert.

Fotos von der Elternschaft der GGS Ernst-Bergstraße

Fast einhundert Menschen – Kinder und Erwachsene, Familien aus unterschiedlichsten Ländern und orthodoxen Traditionen – kamen zusammen. Was sie verband, war mehr als ein religiöser Anlass. Es war das Bedürfnis nach Sichtbarkeit, nach Gemeinschaft und nach der Bewahrung einer Identität, die im Alltag oft leise bleibt.

Die Initiative ging von Eltern aus, deren Kinder den orthodoxen Religionsunterricht bei Vater Mladen von der serbisch-orthodoxen Kirche besuchen. Unterstützt wurde das Vorhaben von der Schulleitung und der Schulsozialarbeit – ein Zeichen dafür, dass Schule heute mehr ist als ein Ort der Wissensvermittlung: Sie ist auch ein Raum für kulturelle Verortung.

Neben Vater Mladen nahmen auch Vertreter anderer orthodoxer Landeskirchen teil, darunter Erzpriester Vater Michail von der antiochenisch-orthodoxen Kirche sowie Roman Friedrich, Pressesprecher der russisch-orthodoxen Kirche.

Fotos von der Elternschaft der GGS Ernst-Bergstraße

Ihre Grußworte waren nicht nur liturgische Beiträge, sondern auch klare gesellschaftliche Statements.

Ein Höhepunkt war der Auftritt einer Kindergruppe, die ein vorbereitetes Gebet in mehreren Sprachen sang – ein vielstimmiges, fast symbolisches Echo der Herkunftsländer ihrer Familien: Türkei, Syrien, Ukraine, Russland, Serbien und andere. Nach dem gemeinsamen „Vaterunser“ wurden die mitgebrachten Speisen gesegnet. Was folgte, war ein Fest der Sinne: lange Tische voller traditioneller Speisen, vertraute Düfte, die Erinnerungen wachriefen, und Gespräche, die zwischen Ernst und Leichtigkeit pendelten.

Fotos von der Elternschaft der GGS Ernst-Bergstraße

Während die Erwachsenen sich austauschten – über Glauben, Herkunft, das Leben zwischen den Kulturen –, eroberten die Kinder den Schulhof. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie ein solches Fest außerhalb der eigenen Gemeinde oder Familie erlebten. Sie spielten, lachten und bewegten sich ganz selbstverständlich zwischen den Sprachen und Traditionen – als wäre genau das ihre natürliche Welt.

In seinem Vorwort sprach Vater Mladen von einem historischen Moment:

„Hier wird Geschichte geschrieben. Orthodoxe Christen treten in die Mitte der Gesellschaft, tragen ihre Identität mit Würde und teilen ihren Glauben mit Freude.“

Es sei ein Anfang, so seine Hoffnung, und zugleich ein Versprechen – dass dieses Fest zu einer Tradition werden könne, offen für Menschen aller Religionen und Kulturen.

Vater Michail betonte, dass es sehr schön ist, in unterschiedlichen Sprachen rufen zu können: „Christus ist auferstanden!“ und „Christos voskrese!“

Roman Friedrich knüpfte daran an und fand deutliche Worte:

„Wir haben in unserer Gesellschaft zu wenig, was Menschen zusammenhält, und zu viel von dem, was sie trennt.“

Feste wie dieses seien mehr als religiöse Ereignisse – sie seien Brücken. Und sie erinnerten daran, wie bedeutsam es sei, zentrale religiöse Feste wie Weihnachten und Ostern als das zu benennen und zu feiern, was sie sind – und nicht hinter neutralen Begriffen zu verbergen.

Was an diesem Tag in Blumenberg spürbar wurde, lässt sich schwer in Zahlen oder Programmpunkte fassen. Es war ein Gefühl von Zugehörigkeit, das in kleinen Momenten aufblitzte: im Blick eines Kindes, das ein bekanntes Lied hört; in der Geste, mit der Brot geteilt wird; im Lächeln zwischen Menschen, die sich zuvor fremd waren.

Fotos von der Elternschaft der GGS Ernst-Bergstraße

Gerade für Kinder ist diese Erfahrung von unschätzbarem Wert. Identität entsteht nicht im Lehrbuch, sondern im Erleben – in Ritualen, in Geschichten, in gelebter Gemeinschaft. Wer weiß, woher er kommt, kann sicherer entscheiden, wohin er geht.

Doch auch für Erwachsene bleibt diese Vergewisserung wesentlich: In einer Welt, die sich ständig verändert, bieten Traditionen und Glaube einen Halt, ohne den Blick für das Neue zu verschließen.

Am Ende der Veranstaltung verteilte Vater Mladen kleine Ostergeschenke an die Kinder. Es waren einfache Gaben, doch ihre Bedeutung reichte weit über den Moment hinaus. Vielleicht werden sie eines Tages daran erinnern, dass es diesen einen Tag gab, an dem aus einer Idee Wirklichkeit wurde – und aus vielen einzelnen Geschichten ein gemeinsames Fest.

Ein Anfang ist gemacht. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Bedeutung.

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