Der Mittwoch der Großen und Heiligen Woche

Im Rahmen dieser besonderen Tage bereitet UOJ täglich kurze Erklärungen zu den Ereignissen, Gottesdiensten und Traditionen der Karwoche vor, um Gläubigen die liturgische und geistliche Tiefe dieser heiligen Zeit näherzubringen.

Der Mittwoch der Großen und Heiligen Woche erinnert uns an die Salbung Christi in Betanien und an den Verrat des Judas.

Der Orthros vom Mittwoch wird am Dienstag Abend gesungen. Für den Mittwoch der Großen Woche haben die heiligen Väter der Kirche verfügt, dass der Salbung Christi mit Nardenöl oder Myron durch eine Frau im Hause Simons des Aussätzigen in Betanien gedacht werden solle. Umkehr war die Predigt der Propheten. Diese Frau, die ihre Umkehr, ihre Reue und Buße, und ihren tiefen Glauben an den Herrn offenbarte, ist uns heute immer noch Vorbild.

Ebenso erinnert uns die Kirche an den Verrat Judas Iskariots, der Jesus für 30 Silberlinge an die Hohenpriester verriet.

Die Liturgie der Vorgeweihten Gaben wird am Mittwoch Morgen zum letzten Mal in der Großen Fastenzeit gefeiert.

Am Abend dieses Tages wird vielerorts das Mysterium der Krankensalbung zelebriert.

Die Krankensalbung ist das Mysterium (Sakrament), in dem die Kirche für einen Kranken die Gnade Gottes erfleht, welche die Krankheiten der Seele und des Leibes durch Salbung mit im Sakrament geheiligten Öl heilt. Es gibt fast niemanden, der nicht weiß, was Krankheit ist. Sogar jene, die in der Jugend völlig gesund waren, verlieren diese Gesundheit im Alter und sterben am Ende. So sind die Gesetze unserer gefallenen Welt, in der die Sünden am Ende das Leben zerstören.

Deshalb dürfen wir, wenn wir den Körper heilen wollen, die Seele nicht vergessen. Sogar wenn sich erfahrene Ärzte um unsere Gesundheit bemühen, ist es ALLEIN GOTT der uns die Heilung schenkt. Wenn es aber Gott in Seinem unergründlichen Ratschluss anders beschlossen hat, dann werden alle Anstrengungen der Ärzte vergeblich sein. Umgekehrt aber hat der HERR die Macht, jeden Menschen gemäß seinem Glauben zu heilen, wenn es in Gottes Willen so beschlossen ist. Gott kann den ganzen Menschen heilen, sowohl seine Seele als auch seinen Körper. Gott ist allmächtig. Er heilt durch Seine göttliche Vollmacht, sogar wenn kein Arzt den Kranken jemals behandelt. Deshalb ist der Arzt der Diener und Helfer Gottes im Heilungsprozess des Kranken, aber nicht seine letztendliche Ursache.

Das Mysterion der Krankensalbung lehrt uns, wenn wir beginnen wollen den kranken Körper zu heilen, wir nicht den Zustand der Seele vergessen dürfen. Deshalb blickt die Kirche auf den Grund der Krankheit – die Sünden. Im Trebnik (Euchologion/Buch der Sakramentsspendungen und kirchlichen Rituale) steht geschrieben, dass dieses heilige Mysterium den schwer Erkrankten gespendet wird. Warum gehen wir also auch als körperlich (noch) Gesunde jedes Jahr in der Großen und Heiligen Woche zum Mysterium der Heiligen Krankensalbung? Dieses Mysterium dient nach orthodoxem Verständnis nicht allein zur Heilung des Leibes, sondern in erster Linie zur Heilung der Seele. Nach orthodoxem Verständnis ist die Sünde eine geistliche Krankheit, die nicht nur seelische, sondern ebenfalls psychische und physische Wirkungen entfaltet.

Den Regeln im Trebnik entsprechend müsste das Sakrament der Krankensalbung als Sinnbild der von Gnadenwirken des Heiligen Geistes erfüllten Kirche von sieben Priestern gemeinsam gespendet werden. Es heißt deshalb im Russischen Soborovanie (Versammlung). Deshalb ist auch der Vollzug des Mysteriums in sieben Abschnitte aufgegliedert. In jedem einzelnen werden spezielle Gebete und jeweils ein Abschnitt aus den Apostelbriefen und den Evangelien gelesen. Jedoch hat es, gerade in der Diaspora, selten die eigentlich vorgesehenen sieben Priester, die das Sakrament spenden. Gewöhnlich wird das Sakrament daher nur von einem Priester allein gespendet. Dieses Vorgehen erlaubt die heilige Kirche als Oikonomia, wenn die volle Siebenzahl an Priestern nicht zur Verfügung steht. In diesem Fall liest der einzige Priester alle Gebete und vorgesehenen Lesungen.

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