Zwischen Seelsorge und Psychiatrie: Ein Ringen um Sprache und Deutung
Erzpriester Ilya Limberger während seines Vortrags bei der Tagung in der Verkündigungs-St.-Justin-Einsiedelei.
Die Gesellschaft für Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa (DOM) hat am 27. Februar 2026 den Vortrag von Erzpriester Ilya Limberger zur Tagung „Leibhaftig leben – zwischen moderner Medizin und kirchlicher Ewigkeit“ auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht. Die Konferenz fand vom 5. bis 7. September 2025 in der Verkündigungs-St.-Justin-Einsiedelei in Eiterfeld-Unterufhausen statt. Der Erzpriester sprach zum Thema Psychiatrie, Psychologie und kirchliche Seelsorge.
Erzpriester Ilya Limberger beschreibt zu Beginn seines Vortrags das Verhältnis zwischen orthodoxer Seelsorge und moderner Psychologie als „Spannungsfeld“. Während früher psychische Zustände meist in einem einheitlichen geistlichen Deutungsrahmen beschrieben worden seien, stünden heute mehrere Sprach- und Erklärungsmodelle nebeneinander. Diese reichten von psychiatrischen Diagnosen bis zu geistlichen Kategorien wie Besessenheit oder Leidenschaften. Die Herausforderung bestehe darin, diese Modelle nicht gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen.
Anhand zweier Fallbeispiele – eines neunjährigen Jungen mit Tics sowie einer jungen Frau mit krisenhaften Episoden nach dem Tod der Mutter – zeigt der Referent, wie schnell eindeutige Zuschreibungen vorgenommen würden: „rein psychiatrisch“ oder „dämonisch“. Solche Alternativen seien jedoch häufig verkürzend. Selbst wenn unterschiedliche Beschreibungen möglich seien, bleibe die Frage, wo sich Deutungen überschneiden, ergänzen oder einander ausschließen.
Im weiteren Verlauf skizziert Limberger das klassische orthodoxe Seelsorgemodell mit den Begriffen der Leidenschaften und der Logismoi (Gedanken). Dieses altehrwürdige System biete eine differenzierte Analyse seelischer Vorgänge, sei jedoch ebenfalls ein Sprachmodell und kein unmittelbarer Zugriff auf die „vollständige Realität“. Modelle müssten daher kritisch reflektiert werden. Ziel sei es, verantwortliche Brücken zwischen geistlicher Tradition und psychologischer Erkenntnis zu suchen, ohne vorschnelle Antworten zu geben.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Reliquien des heiligen Andreas von Kreta in Belgrad zur Verehrung ausgestellt wurden.
Lesen Sie auch
Zwischen Seelsorge und Psychiatrie: Ein Ringen um Sprache und Deutung
Erzpriester Ilya Limberger beleuchtete bei der DOM-Tagung das Spannungsfeld zwischen orthodoxer Tradition und moderner Psychologie
Neuer Gesetzentwurf zur Sterbehilfe geplant
Abgeordnete wollen bis zum Sommer klare Regeln zum Schutz vor Missbrauch vorlegen.
Bischöfe warben für vertieften christlich-muslimischen Dialog
Deutschen Bischofskonferenz rief zu differenziertem Umgang mit dem Islam und zu mehr Zusammenarbeit auf.
Kirche wies Vorwürfe zur Bebauung des Svetosava-Plateaus in Belgrad zurück
Serbisch-orthodoxe Kirche sieht Falschdarstellungen zur geplanten Regulierung ihres Grundstücks
Gedenken zum 100. Geburtstag von Protopresbyter John Meyendorff in New York
St. Vladimir’s Seminary und Fordham University würdigen einen der bedeutendsten orthodoxen Theologen des 20. Jahrhunderts
Griechische Medien: Freilassung des Met. Arsenij ist Ergebnis von Druck der USA
Die griechisch-orthodoxe Zeitung berichtet, dass gerade die Haltung amerikanischer orthodoxer Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik in diesem Fall ausschlaggebend war.