Bischof Hiob: „Der Tod ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess“

Bischof Hiob von Stuttgart während seines Vortrags im Kloster St. Justin in Unterufhausen. Foto: Screenshot YouTube

Die Gesellschaft für Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa (DOM) hat am 18. Februar 2026 den Vortrag von Bischof Hiob von Stuttgart zur Tagung „Leibhaftig leben – zwischen moderner Medizin und kirchlicher Ewigkeit“ auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht. Die Konferenz fand vom 5. bis 7. September 2025 in der Verkündigungs-St.-Justin-Einsiedelei in Eiterfeld-Unterufhausen statt. Bischof Hiob sprach über das Mysterium des Todes aus medizinischer, biblischer und orthodox-theologischer Perspektive.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Frage, wie der Tod heute verstanden und definiert wird. Bischof Hiob von der russischen Auslandskirche beleuchtet medizinische Kriterien wie Herz- und Hirntod und betont zugleich deren Grenzen: Der Tod erscheine weniger als punktuelles Ereignis, sondern vielmehr als Prozess, dessen endgültiger Zeitpunkt auch aus wissenschaftlicher Sicht schwer festzulegen sei.

Ausgehend von biblischen Texten erläutert der Referent das orthodoxe Verständnis von Leben und Seele. Begriffe wie „nephesh“ werden als Lebensatem interpretiert, während der Tod theologisch als Trennung von Seele und Leib gilt, verbunden mit der Hoffnung auf die Auferstehung. Die medizinische Debatte über Organspende und Todesdiagnostik wird dabei kritisch aus geistlicher Perspektive eingeordnet.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der pastoralen Begleitung Sterbender. Gebet, Psalterlesung, Beichte, Kommunion sowie der kirchliche Begräbnisritus werden als zentrale Elemente genannt, durch die die Kirche Menschen am Lebensende begleitet und den Übergang in die Ewigkeit liturgisch deutet.

Abschließend geht Bischof Hiob auf praktische Fragen ein, etwa zu lebensverlängernden Maßnahmen, zum Loslassen am Lebensende und zur Patientenverfügung aus orthodoxer Sicht. Der nun veröffentlichte Mitschnitt dokumentiert den Auftaktvortrag der Tagung, die sich mit den ethischen Herausforderungen moderner Medizin im Licht der orthodoxen Tradition befasste. 



Die UOJ berichtete zuvor, dass die Neuerscheinung „Fels und Sand“ von Erzpriester Josiah Trenham die orthodoxe Sicht auf den Protestantismus beleuchtet.

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