„Die Taufe ist keine Pflichtübung, sondern das Leben selbst“

Erzpriester Mihail Rahr predigt in Berlin. Foto: Screenshot YouTube
Am Sonntag, dem 18. Januar 2026, predigte Erzpriester Mihail Rahr in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin (ROK) über die Taufe Christi (Theophanie) und die Bedeutung der Taufe als Teilhabe an der göttlichen Gnade und als Auftrag zu einem kirchlich gelebten Leben. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Mit Blick auf das bevorstehende Hochfest der Taufe Christi erinnerte Erzpriester Mihail Rahr daran, dass sich in der Theophanie Gott selbst als Heilige Dreifaltigkeit offenbart: der Vater durch seine Stimme, der Sohn im Jordan und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Die Taufe Christi sei nicht für Gott notwendig gewesen, sondern geschehe allein zur Errettung der Menschen, da Christus als Menschensohn stellvertretend für die Menschheit diesen Weg gegangen sei.
Die Taufe bedeute nach orthodoxem Verständnis die Vereinigung des Menschen mit Gott und die Teilhabe am himmlischen Königtum bereits im irdischen Leben. Diese Gnade sei jedoch Frucht eines göttlichen Opfers: Gott habe seinen eingeborenen Sohn hingegeben und sich in Christus selbst erniedrigt, um den Menschen zu retten. Diese göttliche Gerechtigkeit unterscheide sich grundlegend von menschlichen Maßstäben und bleibe letztlich ein Mysterium.
Symbolisch verdeutlicht werde diese Erniedrigung Gottes auch durch den Ort der Taufe nahe dem tiefsten Punkt der Erdoberfläche am Jordan. Christus habe sich wie ein Sünder taufen lassen und sei bereit gewesen, den Weg des Leidens bis zum Kreuz zu gehen, um den Menschen die Möglichkeit zu schenken, Kinder Gottes zu werden.
Zugleich mahnte der Prediger, dass die Gnade der Taufe nicht automatisch wirksam bleibe. Ohne ein Leben im Geist, ohne Teilnahme an den Sakramenten und am kirchlichen Leben, bleibe die Taufe äußerlich. Wahre Umkehr, Buße und die bewusste Gemeinschaft mit Christus in Beichte und Eucharistie seien notwendig, damit die Taufe zur Quelle des geistlichen Lebens werde.
Die UOJ berichtete zuvor, dass orthodoxe Bischöfe die Idee einer „Bosnischen Orthodoxen Kirche“ scharf zurückwiesen.
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