Patriarch Porfirije: „Die Familie ist der erste Ort des Friedens“
Nach den Worten des serbischen Patriarchen beginnt der Weg zu Frieden und Einheit in der Familie, wo der Mensch lernt, den anderen als Bruder anzunehmen. Foto: Patriarchat
In seiner Weihnachtsbotschaft an Klerus, Mönche und Gläubige hat Patriarch Porfirije von Serbien gemeinsam mit den Hierarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche zu Frieden, Einheit und aktiver Nächstenliebe aufgerufen. Angesichts globaler Krisen, wachsender Spannungen und innergesellschaftlicher Spaltungen betonte er, dass die Geburt Christi der Welt Hoffnung und eine neue Perspektive eröffnet. Das Patriarchat veröffentlichte den Text am 6. Januar 2026 auf seiner Webseite.
Patriarch Porfirije stellt die Geburt Christi in den Mittelpunkt seiner Botschaft als Begegnung von Himmel und Erde, Gott und Mensch. Weihnachten sei das Fest des Friedens, der nicht aus politischen Absprachen oder Machtgleichgewichten entstehe, sondern aus der inneren Verwandlung des Menschen in Christus. Der Engelsgesang von Bethlehem erinnere daran, dass Frieden ein Geschenk Gottes sei, das angenommen und weitergetragen werden müsse. „Dieser Friede ist nicht die Folge menschlicher Übereinkünfte, sondern der Zustand eines verwandelten Menschen“, heißt es in der Botschaft.
Ausführlich geht der Patriarch auf die Herausforderungen der Gegenwart ein. Weltweit prägten Kriege, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und soziale Ungleichheit das Leben vieler Menschen. Technologische Umbrüche führten zu neuen ethischen Fragen und zu einer „digitalen Isolation“, während Vertrauen in Institutionen und Medien schwinde. Viele Menschen feierten Weihnachten daher mit Sorge um Zukunft, Gesundheit und das tägliche Auskommen.
Besonders deutlich spricht Porfirije die Situation in Serbien an. Innere politische Spannungen hätten zu tiefen gesellschaftlichen Spaltungen und wachsendem Misstrauen geführt. Er warnt vor dem Verlust nationaler und kultureller Identität sowie vor den Folgen des demografischen Rückgangs und der raschen Alterung der Bevölkerung. Trotz dieser „dunklen Wolken“ ruft der Patriarch die Gläubigen auf, nicht zu verzweifeln: „Fürchtet euch nicht!“, zitiert er die Engelsbotschaft aus dem Lukasevangelium und betont, dass mit der Geburt Christi Gott selbst in die Geschichte eingetreten sei.
Die Weihnachtsbotschaft deutet die Geburt Christi zugleich als Antwort auf die Machtlogiken der Welt. Wie zur Zeit des Römischen Reiches stehe auch die heutige Welt unter dem Einfluss großer Mächte, während kleinere Nationen abhängig seien. Christus werde jedoch bewusst in Armut und am Rand geboren, um zu zeigen, dass vor Gott alle trennenden Maßstäbe enden. Die Familie bezeichnet Patriarch Porfirije als ersten Ort des Friedens, an dem Vergebung, Geduld und gemeinsames Gebet den Raum für Christus öffnen.
Zum Abschluss ruft der Patriarch alle Gläubigen – im Vaterland, in der Diaspora und besonders in Kosovo und Metochien – auf, Spaltungen zu überwinden und Verantwortung füreinander zu übernehmen. Weihnachten stelle jeden Menschen neu vor die Frage Gottes: „Wo ist dein Bruder?“ Christlicher Glaube bedeute, Angst nicht mit Angst und Hass nicht mit Hass zu beantworten, sondern schon jetzt als Zeichen des kommenden Reiches Gottes zu leben.
Die UOJ berichtete zuvor, dass im Dom des heiligen Sava in Belgrad Weihnachtsgeschenke an Bedürftige verteilt wurden.
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