Priester Matthias Fröse: „Nicht der Mensch ist das Maß, sondern Gott“

Priester Matthias Fröse bei der Predigt in der Außenstelle Meisenheim der russisch-orthodoxen Gemeinde Mainz. Foto: Screenshot YouTube
In seiner Predigt zum 18. Sonntag nach Pfingsten, dem 12. Oktober 2025, sprach Priester Matthias Fröse von der deutschsprachigen russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus in Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über die wahre Bedeutung christlicher Barmherzigkeit. Die Predigt wurde von der Gemeinde auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht.
Priester Matthias Fröse hob hervor, dass das Maß christlichen Handelns nicht mehr der Mensch, sondern Gott sei. Barmherzigkeit bedeute, sich dem göttlichen Maß der Liebe zu nähern – einer Liebe, die nicht rechnet, nicht urteilt und sich selbst hingibt. Der Christ sei nicht einfach zu Anstand oder Moral berufen, sondern dazu, göttlich zu handeln, wie der Heilige Isak der Syrer sagte: mit einem Herzen, das für die ganze Schöpfung brennt. Barmherzigkeit sei kein schwaches Gefühl, sondern trage oft die Form des Kreuzes – das Mittragen fremder Lasten, auch wenn man dafür keine Gegenleistung erhält.
Dabei beginnt diese Liebe, so Fröse, nicht im Großen, sondern in kleinen, alltäglichen Gesten – im Verzeihen, Zuhören, im Verzicht auf Urteil. Voraussetzung dafür sei, dass der Mensch auch sich selbst vergibt, denn nur wer Barmherzigkeit erfährt, könne sie weitergeben. Am Ende werde Gott nicht fragen, wie viel ein Mensch verstanden habe, sondern ob er geliebt, vergeben und sich erbarmt habe. Denn: „Die Barmherzigkeit ist der Atem des Reiches Gottes.“ Die Predigt schloss mit einem Gebet des Heiligen Isak: „Herr, schenke mir ein Herz, das niemanden verurteilt…“
Die UOJ berichtete zuvor über die gemeinsame Pastoralkonferenz der deutschen Diözesen der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats (ROK) und der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) in Krefeld sowie die Segnung einer neuen Ikone der Synaxis Heiliger der Deutschen Lande.
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