Fest der Synaxis aller Heiliger der deutschen Lande
Fest der Synaxis aller Heiliger der deutschen Lande. Foto: UOJ
Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, wird von orthodoxen Christen in Deutschland das Fest aller Heiligen der Deutschen Lande begangen. Die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland nach dem Mauerfall kann auch symbolisch als für die Annäherung von West und Ost im Zeichen des orthodoxen Glaubens verstanden werden, der bis zum Schisma nach dem ersten Jahrtausend n. Chr. auch die deutschen Lande prägte.
Foto: russisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Barbara in Krefeld
Auf der Pastoralkonferenz der Russisch-Orthodoxen Kirchen (Moskauer Patriarchat und Russische Orthodoxe Kirche im Ausland), die gestern in Krefeld stattfand, segnete Erzbischof Tichon von Rusa gestern eine neue Ikone der Synaxis Heiliger der Deutschen Lande. Sie wird künftig in der Auferstehungskathedrale in Berlin zur Verehrung zu finden sein.
Foto: russisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Barbara in Krefeld
Bereits im Jahr 2019 war eine Liste von 78 Heiligen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland von den beiden Jurisdiktionen der russichen Kirche in Deutschland approbiert worden. Eine Ikone mit dem Titel ‚Synaxis Heiliger der Deutschen Lande‘ wurde dazu in Auftrag gegeben. Sie befindet sich seit dem 3. Oktober 2024 in der Verkündigungs- und St. Justin-Einsiedelei in Unterufhausen, welche unmittelbar dem serbischen Patriarchen untersteht.
Foto: russisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Barbara in Krefeld
2023 hat der Synod des Moskauer Patriarchats das „Gedächtnis aller Heiligen der deutschen Lande“ in den Festkalender aufgenommen. Das Gedächtnis wurde auf den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, bzw. den nächstliegenden Sonntag festgelegt. Folgende Heilige wurden in die Synaxis eingetragen:
- hl. Märtyrerbischof Bonifatius, Erzbischof von Mainz, Erleuchter Deutschlands (754 n. Chr.)
- hl. Märtyrerbischof Aureus, Bischof von Mainz (436 n. Chr.)
- hl. Märtyrer Mauricius und die Seinen: Gereon, Cassius, Florentius und andere Krieger (gg. 300 n. Chr.)
- hl. Märtyrerin Afra von Augsburg (304 n. Chr.)
- hl. Bischof Maximin, Bischof von Trier (347 n. Chr.)
- hl. Bischof Maternus, erster Bischof von Köln (4. Jh.)
- hl. Bischof Korbinian, erster Bischof von Freising (725/730 n. Chr.)
- hl. Bischof Willibrord, Erzbischof von Utrecht (739 n. Chr.)
- hl. Bischof Burkard, Bischof von Würzburg (753 n. Chr.)
- hl. Bischof Ansgar, Erzbischof von Hamburg (865 n. Chr.)
- hl. Lioba von Bischofsheim (728 n. Chr.)
- hl. Walburga von Eichstätt (779 n. Chr.)
Auf der Webseite des Vereins Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa e.V. heißt es:
„Die Heiligen der ersten 800 Jahre im westlichen Europa gehören allen Christen gemeinsam: Ihre Verehrung fördert die wahre Ökumene und hilft uns, unser ent-christlichtes Land erneut zur Kirche zurückzuführen.“
Tropar und Kondakion Aller Heiligen Deutschlands
Troparion im 4. Ton
Ihr Bischöfe, Märtyrer, Mönche, Gerechte und alle Heiligen,
die ihr im deutschen Lande verherrlicht wurdet,
die ihr mit eurem Blut, eurem Glauben, Werken der Frömmigkeit und Liebe,
mit eurem Wort und Leben Gott gefallen habt,
Ihr wurdet gekrönt mit Kronen der Unverweslichkeit und Herrlichkeit,
betet zu Christus unserem Gott,
auf dass Er unserem Lande Frieden gewähre
und unseren Seelen schenke das Heil.
Kondakion im 4. Ton
Ihr lebtet auf Erden gottgefällig
Aufleuchtend im deutschen Lande als Heilige,
Nun freuet Ihr Euch in den Himmeln mit den Engeln
und lobpreiset die Heilige Dreieinigkeit –
Vater, Sohn und Heiligen Geist in einer Gottheit.
Wir aber, Erdgeborene, preisen Euch und feiern Euer Gedenken,
Bringt unsere Gebete Gott dem Allmächtigen zu seinem himmlischen Altar.
Auf Eure Fürsprache möge Er Frieden und Errettung schenken unseren Seelen.
Lesen Sie auch
Wie Mönche die Antike retteten – mit erfrorenen Fingern und Feder
Im Schein der Lampen, während draußen der Krieg tobte, schrieben sie Platon und Galen ab, ohne zu wissen, dass ihre Zeilen tausend Jahre überdauern würden.
Ein Vorstadtdorf, in dem Gebrechlichkeit kein Todesurteil mehr ist
Die antike Kultur legte großen Wert auf staatsbürgerliche Leistungsfähigkeit und drängte die Schwachen an den Rand des öffentlichen Lebens. Das christliche Projekt in Kappadokien veränderte diese Herangehensweise.
Die Farbe des Glaubens inmitten der rauen Dunkelheit
Das berühmte Rubljow-Bild entstand inmitten von Ruinen. Die Erfahrung einer uralten Katastrophe lehrt uns, Gott neu zu finden, wenn die Welt um uns herum aus allen Nähten zerbricht.
Eine einsame Lampe vor den Universitätsbüchern
Byzanz schwand aufgrund äußerer Kriege und innerer Unruhen dahin. Damals entbrannte auf dem Berg Athos eine erbitterte Kontroverse darüber, ob man Gott im Gebet berühren könne.
Der Taschen-Gott des Dritten Reiches
Im Herzen Europas haben Theologieprofessoren eine alternative Bibel geschaffen, indem sie alle für den Staat unerwünschten Wörter daraus gestrichen haben.