Kardinal Müller zur Drohnenshow: „Der Petersdom wurde erneut missbraucht“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller: „Der Petersdom ist keine Bühne für säkulare Ideologien, sondern der Ort der Realpräsenz Jesu Christi.“ Foto:Wikipedia
Nur kurze Zeit nach der sogenannten „LGBT-Wallfahrt“ sieht Kardinal Gerhard Ludwig Müller den Petersdom erneut als „missbraucht“. Anlass ist eine Drohnenshow mit dem Gesicht von Papst Franziskus über der Kuppel des Petersdoms beim „World Meeting on Human Fraternity“ in Rom. In einem Interview äußert sich der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation kritisch zur Instrumentalisierung heiliger Orte und zur Vermischung katholischer Lehre mit weltlicher Symbolik. Darüber berichtete das katholische Nachrichtenportal „kath.net“ auf seiner Webseite.
Die Projektion, bei der während des Treffens zur menschlichen Geschwisterlichkeit das Gesicht von Papst Franziskus mit 3.500 Drohnen über dem Petersdom dargestellt wurde, war von Kardinal Mauro Gambetti, der Stiftung Fratelli Tutti und dem Verein Be Human organisiert worden und Teil eines Abendkonzerts auf dem Petersplatz.
Im Interview mit Diane Montagna auf ihrem Blog kritisierte Kardinal Müller die Veranstaltung als „völlig unpassend“. Statt des Antlitzes Christi sei das Bild des Papstes gezeigt worden – ein Symbol, das Müller mit „Apotheosen“ römischer Kaiser und Personenkulten totalitärer Regime verglich. In seiner Wirkung erinnere die Inszenierung an das Bild des „Großen Bruders“ aus Orwells Dystopie, sagte der Kardinal.
Er warnte vor einem „heidnischen Personenkult“, selbst gegenüber heiliggesprochenen Päpsten, und betonte: „Papst Franziskus sollte man ruhen lassen. Wir verehren selbst Heilige zur Ehre Gottes – nicht wegen ihres Ruhms.“
Kardinal Müller äußerte zudem grundsätzliche Kritik am Umgang mit dem Petersdom: „Die Organisatoren übergaben ihn einer säkularisierten Welt und machten ihn zu einer Plattform für eine Ideologie, die dem offenbarten Glauben entgegensteht.“
Besonders deutlich wurde Kardinal Müller, der Richter am höchsten Gericht der römischen Kirche ist, im Rückblick auf die Tage zuvor: Nur eine Woche nach der sogenannten LGBT-Wallfahrt sei der Petersdom erneut seiner sakralen Bestimmung entfremdet worden. Er bejaht die Interviewfrage, ob es heute einer „Zerschlagung von Götzen“ bedürfe. Kompromisse mit der Welt, wie sie in solchen Veranstaltungen sichtbar würden, stünden im direkten Widerspruch zu Jesu Wort: „Wenn die Welt euch liebt, seid ihr nicht meine Jünger“ (vgl. Joh 15,18–19).
Die UOJ berichtete zuvor über die Drohnenshow im Vatikan.
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