Erzbischof Tichon rief zur Versöhnung am Beginn der Fastenzeit auf
Vesper in der Berliner Auferstehungskathedrale: „Das Fasten kann nicht beginnen ohne gegenseitige Vergebung und Versöhnung mit den Mitmenschen.“
Am Abend des 22. Februar 2026 leitete Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche, die Vesper und den traditionellen Vergebungsritus zum Käsesonntag in der Auferstehungskathedrale in Berlin. In seiner Predigt betonte er die geistliche Bedeutung der Versöhnung als Voraussetzung für einen fruchtbaren Beginn der Großen Fastenzeit, wie die Diözese auf ihrer Webseite berichtete.
Der Gottesdienst begann in hellen Gewändern und wechselte nach dem Großen Prokeimenon und dem Schließen der Königlichen Türen in die dunklen Farben der Fastenzeit. Nach dem Gebet des heiligen Ephraim des Syrers wandte sich der Erzbischof mit einer Auslegung des biblischen Berichts über die Vertreibung Adams aus dem Paradies an die Gläubigen. Die Kirche erinnere am Vorabend der Fastenzeit an Adams Reue, um das „Grauen der Sünde“ und den Weg der Buße vor Augen zu führen.
Erzbischof Tichon hob hervor, dass der Mensch wie Adam durch die Sünde von Gott getrennt sei und die Fastenzeit eine besondere Gelegenheit zur Umkehr darstelle. Voraussetzung dafür sei jedoch die Bereitschaft zur gegenseitigen Vergebung. Ohne Versöhnung, so der Hierarch, blieben Fasten, Gebet und andere Tugenden fruchtlos.
Als Vorbild verwies er auf Christus, der selbst am Kreuz für seine Peiniger um Vergebung bat. Wer im Vaterunser um Vergebung bitte, müsse auch selbst vergeben, denn der Friede mit den Mitmenschen stehe vor allen religiösen Werken. Der Vergebungssonntag solle daher ein konkreter Schritt hin zu Frieden mit Gott, den Mitmenschen und dem eigenen Gewissen sein.
Zum Abschluss verlas der Erzbischof Gebete zum Beginn der Fastenzeit, bat selbst die Anwesenden um Vergebung und segnete Geistliche und Gemeinde. Der Chor unter Leitung von N. V. Dumler gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit Bußgesängen des Käsesonntags.
Die UOJ berichtete zuvor über eine Neuerscheinung im orthodoxen Verlag Hagia Sophia: Sergej Fudel ruft in „Bin etwa ich es?“ zur persönlichen Gewissensprüfung in schwierigen Zeiten auf.