Zweijähriges Gedächtnis des seligen Entschlafens von Archimandrit Paisios in Wien begangen

Archimandrit Paisios (Jung) Foto: BVZ Archiv
Am 7. Oktober 2026 wurde das zweijährige Gedächtnis des seligen Entschlafens von Archimandrit Paisios Jung mit dem Totengedenken an seinem Grab begangen. Wie der Korrespondent der UOJ berichtet, ging es in der heutigen Predigt um das Leben und den Glauben von Vater Paisios, insbesondere um seine Treue zum heiligen orthodoxen Glauben und seinen unerschütterlichen Mut, das auszusprechen, was gesagt werden musste – unabhängig davon, ob es jemandem gefiel oder nicht. Vater Paisios sei uns ein Vorbild hieß es weiter, da er auch in Schwierigkeiten des Lebens nicht seine fröhliche Art verlor und gleich einem neuen Chrysostomos die Leute mit seinen Predigten begeistern konnte. Vater Paisios war vielen durch seine Vorträge und Predigten auf YouTube bekannt. Er hatte auch viele geistliche Kinder in aller Welt.
Unseren Lesern präsentieren wir einige kurze Fakten aus dem Leben des bekannten Missionars Vater Paisios, die unser Journalist gemeinsam mit Gläubigen zusammengetragen hat, die heute seines seligen Entschlafens gedachten - Ein Lebensbild von Archimandrit Paisios Jung
Von Geburt bis zum katholischen Klosterleben
Als Michael Jung wurde er am 8. Juli 1962 als Sohn von Anton und Waltraut im Saarland geboren und wurde römisch katholisch getauft. Er trat später ins Kloster Weltenburg ein, erhielt den Ordensnamen Maximilian und begann mit dem Theologie- und Philosophiestudium an der Hochschule im Stift Heiligenkreuz und an der Universität Wien. Nach Abschluss seines Studiums wurde er zum Diakon und später zum Priester geweiht und wirkte in der Seelsorge und im Bildungswesen.
Weg in die Orthodoxie
Nach Jahren des Suchens entdeckte er den reichen Schatz der Orthodoxie und ging nach Griechenland um zu konvertieren und orthodoxer Mönch zu werden. Dies geschah im Kloster zum Hl. Arsenios auf Chalkidiki, wo er auch die Weihe zum Hierodiakon und zum Priestermönch empfing.
Klostergründung im Burgenland
Von dort aus wurde er mit Mitbrüdern im Jahr 2015 zur Gründung eines Klosters in Österreich entsandt. Zum ersten Abt dieses Klosters wurde Vater Paisios ernannt und am 11. Oktober 2015 geweiht. Im Jahr 2016 wurde das Kloster kanonisch durch Metropolit Arsenios von Austria in St. Andrä am Zicksee im Burgenland errichtet und dem Schutz der Allheiligen Gottesgebärerin und dem Hl. Paisios vom Berg Athos anvertraut. Das Kloster zog Pilger von Nah und Fern an, seine Predigten waren sehr begehrt und er wurde von vielen Pilgern als Ratgeber und Beichtvater aufgesucht. Einige seiner geistlichen Söhne wurden Priester und gaben seine Weisungen an ihre Gemeinden weiter.
Zur kirchlichen Ukraine-Frage
Am Tag der Anerkennung der ukrainischen Pseudokirche predigte Vater Paisios entschieden dagegen. Er sagte unter anderem: „Mit diesem Tomos hat ein großes Schisma begonnen.“ Weiter erklärte er: „Dieses Schisma ist schlimmer als das Schisma zwischen der West- und Ostkirche, weil es ein Schisma unter Orthodoxen in der heutigen Zeit ist. Und dieses kommt leider aus dem Phanar.“ Seiner Ansicht nach war die Anerkennung ein Produkt der amerikanischen beziehungsweise westlichen antirussischen Politik, durch die der Patriarch und die Bischöfe des Phanars mit großen Geldsummen beeinflusst worden sind.
In seiner Predigt hatte er vor dem versammelten Volk ausdrücklich dazu aufgerufen, bei ihrem kanonischen Metropoliten Onuphrios zu bleiben. Er vertrat die Ansicht, dass die Russische Kirche vollkommen zu Recht auf die veränderte Haltung gegenüber der ukrainischen Kirchenfrage reagierte und ihre kirchliche Tätigkeit unter anderem in Afrika und der Türkei ausweitete. Seine Haltung war weithin bekannt, und von diesem Zeitpunkt an begannen die Probleme mit Metropolit Arsenius. Trotz dessen bestand zwischen Vater Paisios und seinem damaligen Metropoliten ein gutes Verhältnis.
Der Beginn der Spannungen: die Art der Kommunionspendung
Während der schweren Corona-Zeit war Metropolit Arsenius der erste Bischof des gesamten Ökumenischen Patriarchats und möglicherweise der gesamten orthodoxen Welt, der die traditionelle Art der Kommunionspendung veränderte. Er verlangte damals von seinen Priestern, den kostbaren Leib und das kostbare Blut Christi nicht mehr auf traditionelle Weise mit dem heiligen Löffel in den Mund der Gläubigen zu spenden, sondern die Kommunion in die Hand zu geben.
Vater Paisios lehnte dies nach Rücksprache mit seinem geistlichen Vater, dem bekannten griechischen Starez Vater Theoklitos, ab. Denn, wie die heiligen Väter lehren, steht der Gehorsam über dem Fasten und Gebet. Es gibt jedoch zwei Dinge, gegenüber denen kein Gehorsam geleistet werden darf: gegenüber der Häresie und gegenüber der Sünde. Genau dies erklärte Vater Paisius auch seinem Bischof. Für den Bischof stellte diese Handlung eine rote Linie dar und er bezeichnete die Weigerung von Vater Paisius als Ungehorsam.
Das Bekenntnis des orthodoxen Glaubens
Wie bekannt, war Vater Paisios ein bedeutender Prediger und hatte großen Einfluss auf Orthodoxe verschiedener Nationalitäten – unter anderem Griechen, Serben, Russen, Rumänen, Araber, Bulgaren und Antiochener.
Viele Menschen, die zuvor nicht orthodox waren, fanden durch seine Predigten zur Orthodoxie. Orthodoxe Christen wiederum wurden durch seine Predigten in ihrem Glauben gestärkt. Während der Corona-Zeit stärkte er die Gläubigen insbesondere durch seine LiveVideos geistlich.
Eines Tages wurde er gefragt, ob er erklären könne, wie es zum Schisma zwischen der West- und der Ostkirche gekommen sei. In einem etwa 30-minütigen Vortrag erklärte er die orthodoxe Lehre zu diesem Thema – soweit dies innerhalb dieser Zeit möglich war.
Nur etwa 30 Minuten später rief der Metropolit äußerst verärgert an und berichtete, dass ihn drei katholische Bischöfe kontaktiert und sich über die Predigt beschwert hatten.
Vater Paisios fragte ihn daraufhin, ob er das Video selbst gesehen habe und wies ihn darauf hin, dass das darin Gesagte der Lehre der Orthodoxen Kirche entspricht. Der Bischof erklärte ihm daraufhin unmissverständlich, dassß er in seiner Metropolie keine ὁμολογία πίστεως – kein öffentliches Bekenntnis des Glaubens – wünscht.
So wie die Frage der Kommunionspendung für ihn eine rote Linie dargestellt hatte, wurde diese Aussage für Vater Paisios zu einer roten Linie. Er hatte stets gelehrt, dass wir unseren orthodoxen Glauben jederzeit und an jedem Ort bekennen müssen.
Von diesem Zeitpunkt an wurde ihm untersagt, weiterhin im Internet zu wirken. Außerdem durfte er keine Gäste und Novizen mehr im Kloster aufnehmen und nicht mehr öffentlich predigen. Hinzu kam das Verbot, Katholiken durch die heilige Taufe in die Orthodoxe Kirche aufzunehmen. Dies war ursprünglich – in Absprache mit seinem geistlichen Vater – eine der Bedingungen gewesen, unter denen Vater Paisios überhaupt nach Österreich gekommen war, und die damals akzeptiert wurde. Vater Paisios selbst war durch die heilige Taufe in die Orthodoxe Kirche aufgenommen worden und hatte sämtliche Stufen des Mönchtums durchlaufen (Novize, Rasophoros, Klein-Schima, Diakon- und Priesterweihe, Groß-Schima, Weihe zum Archimandriten, Abt und geistlichen Vater), obwohl er diese Stufen bereits zuvor in der katholischen Kirche durchlaufen hatte. Er war strikt für die Aufnahme von Katholiken in die Orthodoxe Kirche durch das heilige Mysterium der Taufe.
Die ukrainische Kirchenfrage und die zunehmende Entfremdung
Mit der Zeit wurde Metropolit Arsenius zunehmend aktiv in der Unterstützung der ukrainischen Pseudokirche sowie in der kirchlichen und staatlichen antirussischen Propaganda. Zu dieser Zeit wurden auch einige unkanonische sogenannte „Priester“ aus der ukrainischen Pseudokirche in die Metropolie in Wien aufgenommen. Vater Paisios missbilligte dies entschieden. Aus Protest gegen die ukrainische Pseudokirche und die Anwesenheit dieser „Priester“ zelebrierte er von diesem Zeitpunkt an nicht mehr in der Kathedrale in Wien. Auch dies missfiel erheblich. Vater Paisios war ein entschiedener Gegner des Ökumenismus im Sinne der Lehre des heiligen Justin Popović von Ćelije, der den Ökumenismus als „Pan-Häresie“ bezeichnete, trat jedoch für den wahrhaftigen Ökumenismus ein. Sein Herz und die Türen seines Klosters standen jedem Menschen offen.
Der Weg in die Serbisch Orthodoxe Kirche
In seinen letzten Lebensjahren war Vater Paisios schwer krank. Sieben Jahre lang kämpfte er gegen eine schwere Krebserkrankung mit sieben Metastasen im Endstadium. Trotz seiner schweren Krankheit blieb er stets fröhlich, dankbar und voller Hoffnung. Er nannte den Krebs sogar seinen „besten Freund“ und dankte Gott für seine Krankheit.
Die Bruderschaft beschloss gemeinsam mit ihm, nach einem anderen Ort zu suchen, an dem sie weiterhin als geistliche Gemeinschaft leben und wirken konnten. Einer der ersten Bischöfe, der sich meldete, war Bischof Sergius aus Bosnien von der Serbisch Orthodoxen Kirche. Er wünschte Vater Paisios und seine Bruderschaft in seine Diözese aufzunehmen. Vom Ökumenischen Patriarchat erhielt die Bruderschaft ohne Schwierigkeiten die erforderlichen Entlassungsbriefe und wurde anschließend unmittelbar in die Serbisch Orthodoxe Kirche aufgenommen.
Weggang aus dem Kloster in St. Andrä am Zicksee
Wenige Tage bevor die letzte Liturgie im Kloster gefeiert und sich die Bruderschaft sich von den Gläubigen verabschieden sollte, erschien der Sekretär des Metropoliten, Athanasius Buk, persönlich. Er teilte ihnen mit, dass sie das Kloster innerhalb von nur vier Stunden verlassen müssten. Besonders unschön war dabei, dass Vater Paisios zu diesem Zeitpunkt schwer krank war und mit sieben Metastasen im Endstadium lebte. Trotz des schlechten Wetters und des Regens wurde nicht einmal danach gefragt, ob er oder die Bruderschaft einen Ort hätten, an den sie gehen konnten. Vater Paisios und seine Mönche nahmen nur ihre notwendigsten persönlichen Sachen mit und verließen das Kloster. Innerhalb weniger Tage befanden sie sich bereits in ihrer neuen Diözese.
Von Bosnien nach Serbien
In Bosnien verbrachte die Bruderschaft 10 Monate. Aufgrund der schlechten Lage des Klosters und der monatlichen Fahrten nach Wien, welche der Krebstherapie von Vater Paisios und der Betreuung seiner zahlreichen geistlichen Kinder dienten, übersiedelte die Bruderschaft in ein Kloster in Zentralserbien im Zuständigkeitsbereich der Diözese von Braničevo. Die Aufenthalte in Wien missfielen Metropolit Arsenius sehr und immer wieder versuchte er den serbischen Bischof dazu zu bringen ihnen zu verbieten nach Wien zu fahren. Dabei erzählte er verschiedene Unwahrheiten und versuchte Druck auf ihren Bischof auszuüben, doch Ehre sei Gott, dieser ließ sich nicht davon beeinflussen. Als nun Metropolit Arsenius bemerkte, dass dies nicht die gewünschten Früchte trug, versuchte er es mit einer Verleumdung vor dem weltlichen Gericht. Durch Gottes Hilfe misslang jedoch auch dies und das Verfahren wurde eingestellt, da sich alle Anschuldigungen als nichtig und unwahr erwiesen. Danach versuchte er seine Beziehungen mit Griechenland und insbesondere seinem geistlichen Vater zu zerstören. Während ihm dies bei manchen Bischöfen gelang, blieb es bei den einfachen Priestern, Mönchen und Volk ohne Ergebnis.
Die Entschlafung von Vater Paisius
3 Monate vor seinem Tod verschlechterte sich die Gesundheit von Vater Paisios sehr und er wurde bettlägrig. Den letzten Monat seines Lebens verbrachte er in einem Spital in Belgrad, wobei ihn seine Väter täglich besuchten und ihm die Heilige Kommunion brachten.
Sein letzter Wunsch war, dass sein Begräbnis und die damit verbundenen Gottesdienste von Erzpriester Slađan Vasić, welcher damals als Priester unter der Russischen Auslandskirche diente, gehalten werden sollen. Am 7. Oktober 2024 entschlief er in Belgrad im Herrn.
Begräbnis wurde zum Politikum
Die Feierlichkeiten zur Aufbahrung fanden in der Kirche zum heiligen Nikolaus in Mödling statt, mit Segen von Metropolit Mark und Metropolit Irinej. Das Begräbnis am Wiener Zentralfriedhof wurde zu einem Zeugnis gelebten Glaubens, obwohl dies von Metropolit Arsenios versucht wurde zu verhindern. Ewiges Gedächtnis geliebter Gerontas!
Zuvor berichtete die UOJ über die Begegnung und das kulturelle Programm im erneuerten serbisch-orthodoxen Kloster Himmelsthür nach dessen Weihe.
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