„Wo Unrecht geschieht, muss die Wahrheit ans Licht kommen“: Dr. Irina Volfson
Dr. Irina Volfson äußerte sich zum tödlichen Angriff auf Mönche in der Ukraine. Foto: UOJ Deutschland.
Am 23. August wurde in der Swjatohirsker Lawra in der Region Donezk in der Ukraine Mönch Warsonofij getötet. Zwei weitere Menschen wurden bei dem Angriff schwer verletzt.
Dr. Irina Volfson äußerte sich in einer persönlichen Stellungnahme gegenüber der UOJ Deutschland zu dem Angriff auf die Mönche der Lawra. Sie ist Vorsitzende des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI) in Bonn, Mitglied der CDU und Vorstandsmitglied des Jüdischen Forums der CDU Nordrhein-Westfalen.
Dr. Volfson engagiert sich seit vielen Jahren im interreligiösen und insbesondere im christlich-jüdischen Dialog. In ihrer Stellungnahme betonte sie ausdrücklich, dass sie die Ereignisse auch aus ihrer jüdischen Tradition heraus betrachte.
Die Berichte über den gewaltsamen Angriff auf die Swjatohirsker Lawra hätten sie zutiefst berührt, erklärte Volfson. Die Unversehrtheit menschlichen Lebens, der Schutz von Gebetsstätten und das Recht, den eigenen Glauben frei von Furcht auszuüben, seien universelle Güter.
Sie verwies dabei auch auf die Situation jüdischer Gemeinden in Deutschland, die wegen Gewalt und Bedrohungen seit Jahren unter besonderem Schutz stehen. Umso erschreckender sei es, wenn sich Ähnliches gegenüber einer anderen religiösen Gemeinschaft in einem anderen Land wiederhole.
„Religionsfreiheit und der Schutz von Minderheiten dürfen niemals davon abhängen, welcher Religion jemand angehört“, erklärte Dr. Volfson.
Zugleich forderte sie eine lückenlose und unabhängige Aufklärung des Angriffs. „Wo Unrecht geschieht, muss die Wahrheit ans Licht kommen“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Transparenz und Aufklärung seien Voraussetzung für Gerechtigkeit und den Wiederaufbau von Vertrauen.
Volfson rief außerdem zu interreligiöser Solidarität auf. Der christlich-jüdische Dialog zeige, wie kostbar und zugleich verletzlich das friedliche Zusammenleben sei. Gerade angesichts von Hass und Gewalt müssten religiöse Gemeinschaften und die Gesellschaft enger zusammenstehen.
Wir geben den vollständigen Wortlaut ihrer Stellungnahme wieder:
Stellungnahme zum gewaltsamen Angriff auf das Kloster Swjatohirsk (Swjatogorsker Lawra) und zum Schutz von Glaubensfreiheit und interreligiösem Dialog
Als Vorsitzende des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration in Bonn – und persönlich als Jüdin, die sich seit vielen Jahren intensiv im christlich-jüdischen Dialog engagiert – berühren mich die Berichte über den gewaltsamen Angriff auf die Swjatohirsker Lawra zutiefst. Dass bei diesem Angriff ein Mensch sein Leben verlor und weitere verletzt wurden, erfüllt mich mit großer Trauer und Sorge.
Aus meiner jüdischen Tradition aus und durch meine langjährige Arbeit im interreligiösen Dialog weiß ich: Die Unversehrtheit menschlichen Lebens, der Schutz von Gebetsstätten und das Recht, seinen Glauben frei von Furcht auszuüben, sind universelle Güter.
Wenn religiöse Stätten zu Orten der Gewalt werden und Menschen wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit Angriffe erleiden, trifft dies das Herz unseres gemeinsamen gesellschaftlichen und interreligiösen Fundaments.
Seit Jahren stehen jüdische Gemeinden in Deutschland unter massivem Schutz, weil sie Gewalt und Bedrohungen ausgesetzt sind. Das sollte uns zutiefst alarmieren. Umso erschreckender ist es, wenn sich nun in einem anderen Land Ähnliches gegenüber einer anderen religiösen Gemeinschaft wiederholt. Religionsfreiheit und der Schutz von Minderheiten dürfen niemals davon abhängen, welcher Religion jemand angehört.
Mit dieser Stellungnahme sage ich unverbrüchliches Nein zu jeder Form von Gewalt. Ich plädiere für die Aufklärung und Transparenz: Wo Unrecht geschieht, muss die Wahrheit ans Licht kommen. Eine lückenlose und unabhängige Aufklärung der Geschehnisse ist Voraussetzung für Gerechtigkeit und den Wiederaufbau von Vertrauen zwischen verschiedenen Menschengruppen.
Ich will interreligiöse Solidarität und Zusammenhalt zeigen: Der christlich-jüdische Dialog lehrte und lehrt uns, wie kostbar und zugleich verletzlich das friedliche Miteinander ist. Gerade in Zeiten, in denen Finsternis und Hass zunehmen, müssen wir interreligiös und gesellschaftlich noch enger zusammenstehen, einander beistehen und gemeinsam als Lichtträger für den Frieden wirken.
Ich werde alles tun, um Schutz des Miteinanders vor Ort zumindest in Bonn zu schaffen: Mir persönlich ist es wichtig, dass internationale und religiöse Konflikte nicht unser lokales Zusammenleben spalten. Das Ziel der Integrationsarbeit bleibt eine Gesellschaft, in der alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft, Kultur oder Religion – in Sicherheit, Würde und gegenseitigem Respekt leben können.
Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, den Verletzten sowie der gesamten Klostergemeinschaft.
Dr. Irina Volfson
Zuvor berichtete orthodoxnews.de, dass Metropolit Isaak eine vollständige Aufklärung des Angriffs auf Mönche in der Ukraine forderte.
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