Priester Oleg Beltek: „Der Herr erwartet von uns keine formale Perfektion“

Am Ende der Liturgie wurde ein Gebetsgottesdienst zur Erhaltung der Schöpfung Gottes gefeiert. Foto: Diözese

Am 6. September 2026, dem 14. Sonntag nach Pfingsten und dem Festtag des heiligen Petrus, Metropolit von Moskau und der ganzen Rus, zelebrierte Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche, die Göttliche Liturgie in der Kirche des heiligen Sergius von Radonesch in der Diözesanresidenz in Berlin-Karlshorst, wie die Diözese berichtete.

Nach dem Kommunionsvers hielt Priester Oleg Beltek eine Predigt zum Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22,1-14). Das Evangelium zeige, dass Gott jeden Menschen zur Gemeinschaft mit ihm und zur ewigen Freude einlade. Zugleich könne der Mensch diese Einladung durch die Sorgen und Bindungen des Alltags überhören oder immer wieder auf später verschieben.

Arbeit, Besitz und familiäres Glück könnten das Herz so stark in Anspruch nehmen, dass der Blick auf Gott verloren gehe. Oft warte der Mensch auf einen späteren Zeitpunkt, um sich ganz Gott zuzuwenden – doch dieser Zeitpunkt werde immer wieder verschoben, hieß es in der Predigt.

Das Gleichnis von den Gästen, die an den Wegkreuzungen zum Fest gerufen werden, sei zugleich ein Bild der Kirche. Sie sammle Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen und Schicksalen und zeige Gottes Barmherzigkeit gegenüber allen, die seiner Einladung folgen.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Gast ohne Hochzeitsgewand. Dieser stehe nach der Deutung des heiligen Theophan des Einsiedlers für einen Menschen, der zwar an den Glauben glaube und sich Christ nenne, sein Leben jedoch nicht danach ausrichte. Entscheidend sei daher, ob der Glaube auch im Handeln sichtbar werde.

Die Gläubigen wurden aufgerufen, ihr eigenes Leben zu prüfen und zu fragen, ob ihre Seele „mit dem Gewand der Tugenden – Barmherzigkeit, Sanftmut, Reinheit, Gebet – bekleidet“ sei oder ob Leidenschaften, Gewohnheiten und weltliche Eitelkeit das Leben bestimmten.

Das moderne Leben mit seinen zahlreichen Sorgen, Plänen und Eindrücken könne Gottes Stimme leicht übertönen. Zugleich betonte die Predigt: „Der Herr erwartet von uns keine formale Perfektion unserer Vergangenheit; er erwartet unser lebendiges Herz, das sich ihm in Dankbarkeit und Liebe zuwendet.“

Die UOJ berichtete zuvor, dass sich orthodoxe Christen am „Marsch für das Leben“ in London beteiligten.

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