Metropolit Tichon rief zum kirchlichen Neujahr zu geistlichem Wachstum auf

Metropolit Tichon von ganz Amerika und Kanada, Ersthierarch der Orthodox Church in America (OCA), hat zum Beginn des kirchlichen Neujahrs zu geistlichem Wachstum und Treue zur kirchlichen Tradition aufgerufen. Foto: OCA
Zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres am 1. September 2026 hat Metropolit Tichon von ganz Amerika und Kanada die Gläubigen dazu aufgerufen, die durch die Taufe empfangene Erneuerung bewusst zu leben. Zugleich betonte der Ersthierarch der Orthodox Church in America (OCA), dass geistliches Wachstum auf der Treue zur kirchlichen Überlieferung gründe und nicht auf der bloßen Suche nach Neuem. Die OCA veröffentlichte das Hirtenwort auf ihrer Webseite.
In seiner Botschaft erinnerte Metropolit Tichon an das Evangelium vom Aufenthalt Christi in der Synagoge von Nazareth. Dort habe Jesus die Worte des Propheten Jesaja auf sich bezogen und damit die Erfüllung der Verheißung vom „Gnadenjahr des Herrn“ verkündet.
Die Neuheit Christi bedeute jedoch nicht, das Vergangene zu verwerfen, erklärte der Metropolit. Vielmehr vollende Christus das, was ihm vorausgegangen sei. Auch die Gläubigen seien durch Taufe und Auferstehung Christi bereits zu einer neuen Schöpfung geworden. Entscheidend sei deshalb die Frage, ob sie diese Erneuerung im Alltag tatsächlich lebten.
Metropolit Tichon warnte zugleich davor, die christliche Neuheit mit dem modernen Drang nach ständig neuen Produkten, Erfahrungen und Veränderungen zu verwechseln. Die Welt könne das menschliche Bedürfnis nach Neuem zwar immer wieder ansprechen, aber letztlich nicht erfüllen. Die Neuheit in Christus sei dagegen bleibend und unvergänglich, da sie ihren Ursprung im lebendigen Gott habe.
Seinen Aufruf richtete der OCA-Primas sowohl an Menschen, die neu zum Glauben gekommen seien, als auch an lebenslange Mitglieder der Kirche. Während die ersten ihre anfängliche Begeisterung zu einem dauerhaften geistlichen Weg vertiefen müssten, bestehe für langjährige Gläubige die Gefahr, dass das Vertraute zur bloßen Selbstverständlichkeit werde.
Dies gelte auch für kirchliche Gemeinschaften, so der Geistliche. Junge Missionen und traditionsreiche Pfarreien stünden gleichermaßen vor der Aufgabe, das Überlieferte zu bewahren und zugleich geistlich zu wachsen. Dabei müsse zwischen echter Treue zur Tradition und bloßer Gewohnheit unterschieden werden.
Die Erfahrung älterer Gemeinden sei dabei ebenso wertvoll wie der missionarische Eifer junger Gemeinschaften, betonte der Metropolit. Gerade deshalb brauche die Kirche beide: Die einen bewahrten die Erfahrung eines über Generationen getragenen Glaubens, die anderen erinnerten daran, wie es sei, das Evangelium zum ersten Mal zu hören.
Zum Beginn des neuen Kirchenjahres lud Metropolit Tichon daher alle Gemeinden, Klöster, Familien und einzelnen Gläubigen dazu ein, sich eine einfache Frage zu stellen: Wo habe man sich im vergangenen Jahr lediglich wiederholt – und wo sei man wirklich gewachsen?
Die UOJ berichtete zuvor, dass Priester Daniel Schärer in Zürich über das Gleichnis von den bösen Winzern gesprochen und die Bedeutung des Vertrauens auf Gottes für den Menschen oft unverständliche Führung erläutert hatte.
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