Erzpriester Slobodan Tijanić: „Woran halten wir fester als am Glauben?“

Erzpriester-Stavrofor Slobodan Tijanić predigte in Frankfurt. Archivfoto: Gemeinde

Erzpriester-Stavrofor Slobodan Tijanić predigte in Frankfurt. Archivfoto: Gemeinde

Am zwölften Sonntag nach Pfingsten, dem 23. August 2026, hat Erzpriester-Stavrofor Slobodan Tijanić in der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde in Frankfurt das Evangelium vom reichen Jüngling (Mt 19,16–26) ausgelegt. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand die Frage des jungen Mannes an Christus: „Was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Der Geistliche betonte, dass der Mann die Gebote seit seiner Jugend gehalten habe und aufrichtig nach dem ewigen Leben suche. Zugleich spüre er, dass ihm trotz seines guten Lebens etwas fehle. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrer Facebook-Seite.

Christus fordere den jungen Mann auf, seinen Besitz zu verkaufen, den Erlös den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Nach den Worten von Erzpriester Slobodan Tijanić richte sich diese Aufforderung nicht pauschal an alle Menschen, sondern treffe den persönlichen „Götzen“, der im Herzen des Einzelnen den Platz Gottes einnehme. Beim reichen Jüngling seien es die Besitztümer gewesen. Auch Gewohnheiten, Bequemlichkeit, die Meinung anderer, das Bedürfnis nach Kontrolle oder sogar die eigene Frömmigkeit und gute Werke könnten zu einem solchen „Besitz“ werden. Dass der junge Mann daraufhin traurig weggehe, zeige die Tragik eines Menschen, der sich nach dem ewigen Leben sehne, aber nicht bereit sei, das aufzugeben, woran sein Herz letztlich stärker hänge als an Christus.

Als entscheidende Aussage des Evangeliums hob der Erzpriester in seiner Predigt die Worte Christi hervor: „Für Menschen ist dies unmöglich, aber für Gott ist alles möglich.“ Das Heil könne nicht durch eine persönliche Leistungsbilanz aus Gebeten, Fasten und guten Werken verdient werden, sondern sei ein Geschenk Gottes. Der Weg zu Christus führe über die Hingabe und die Bereitschaft, das loszulassen, was den Menschen von ihm trenne.

Zugleich ende die Geschichte nicht in Hoffnungslosigkeit: Gerade dort, wo menschliche Kraft an ihre Grenzen komme, beginne Gottes Wirken. Die Gläubigen sollten deshalb ehrlich prüfen, woran sie stärker festhalten als am Glauben, und Christus trotz eigener Schwäche nachfolgen.

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