Auf den Spuren der Heiligen durch Trier

Pilgerfahrt zum Haupt der heiligen Helena im Trierer Dom. Quelle: UOJ

Am 18. August organisierte die russisch-orthodoxe Gemeinde der Heiligen Konstantin und Helena aus Köln eine Pilgerfahrt zu den frühchristlichen Stätten Triers. Organisiert wurde die Fahrt von Priester Viktor Yakim, Vorsteher der Kölner Gemeinde, Alexej Potupin und seiner Frau aus der Kölner Gemeinde. Ein Korrespondent der UOJ berichtet von der Reise durch Kirchen, Krypten und Klöster, in denen die Spuren der noch ungeteilten Christenheit bis heute sichtbar sind.

Leiter der Pilgergemeinden, Alexej Potupin und Erzpriester Timofey Kitnis mit Erzpriester Matthias Zierenberg vor dem Schädel der heiligen Helena mit Kreuz und Ikone. Quelle: UOJ

Am frühen Morgen versammelten sich die Gläubigen in Köln. Bevor die Gruppe den Bus nach Trier bestieg, hielt Priester Viktor Yakim, Vorsteher der Kölner Gemeinde, einen Fürbittgottesdienst (Moleben) für die Reisenden und segnete alle Teilnehmer der Pilgerfahrt. Von Beginn an mit dabei war Erzpriester Matthias Zierenberg, Gründer der orthodoxen Gemeinde des Heiligen Lubentius in Limburg an der Lahn und Geistlicher der serbisch-orthodoxen Eparchie unter Bischof Grigorije von Düsseldorf. Er war eigens aus seinem Wohnort angereist, um die Pilgergruppe zu begleiten.

Trier, um 16 v. Chr. als Augusta Treverorum gegründet, gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Im 4. Jahrhundert stieg sie zur Kaiserresidenz und Hauptstadt der westlichen Reichshälfte auf. Hier lebte und wirkte Kaiserin Helena, hier versammelten sich einige der frühesten christlichen Gemeinden nördlich der Alpen. Für orthodoxe Christen birgt die Stadt eine besondere Anziehungskraft: Zahlreiche Heilige der noch ungeteilten Kirche haben in Trier gelebt, gepredigt und gelitten.

St. Paulin

Pilgergruppe auf dem Weg zur St.-Paulin-Kirche, Trier. Quelle: UOJ

Die erste Station war St. Paulin im Norden der Stadt. Die spätbarocke Basilika erhebt sich über den Gebeinen der Märtyrer der Thebäischen Legion. Der im 18. Jahrhundert errichtete Bau, seit 1958 Basilica minor, besticht durch eine Innenausstattung nach Entwürfen Balthasar Neumanns. In der Krypta unter dem Langhaus ruhen die sterblichen Überreste frühchristlicher Soldaten, die hier um das Jahr 300 für ihren Glauben starben.

Die Pilger verweilten vor einer Ikone, die sämtliche orthodoxen Heiligen Triers auf einem Bild vereint, und besuchten die Kapelle der Heiligen Blandina. Der Namenspatron der Kirche, Bischof Paulinus von Trier, hatte im 4. Jahrhundert für seinen Widerstand gegen den Arianismus die Verbannung auf sich genommen und kam dort ums Leben. Seine Gebeine kehrten um 400 nach Trier zurück.

Von St. Paulin führte der Weg vorbei an der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin, die den Namen des frühen Trierer Bischofs Maximinus trägt. Was einst eines der einflussreichsten Klöster des Abendlands war, dient heute profanen Zwecken. Die napoleonische Auflösung von 1802 beendete das monastische Leben an diesem Ort.

Porta Nigra

Das im 2. Jahrhundert errichtete „Schwarze Tor“, lateinisch „Porta Nigra“, in Trier. Quelle: UOJ

An der Porta Nigra, dem gewaltigen römischen Stadttor aus dem 2. Jahrhundert, stieß die Gruppe auf eine Geschichte, die Trier unmittelbar mit der Orthodoxie verbindet. Hier ließ sich um das Jahr 1030 der Mönch Simeon in den Ostturm einmauern.

Simeon, um 990 in Syrakus als Sohn griechischer Eltern geboren, hatte in Konstantinopel seine Ausbildung zum Diakon erhalten und jahrelang als Mönch im Katharinenkloster auf dem Sinai gelebt. Nach einer Pilgerreise ins Heilige Land in Begleitung des Trierer Erzbischofs Poppo wählte er die Porta Nigra als Ort seiner endgültigen Askese. Er verstarb am 1. Juni 1035 in seiner Zelle.

Noch im selben Jahr sprach ihn Papst Benedikt IX. auf Bitten Poppos heilig. Der Erzbischof ließ das römische Tor zu einer Doppelkirche umbauen, die erst unter Napoleon ihren sakralen Charakter verlor. Für orthodoxe Christen in Deutschland gehört Simeon zu jenen Heiligen, die das frühe Mönchtum des Ostens mit der Geschichte des Westens verbinden.

Der Hauptmarkt

Abbild des heiligen Petrus am Petrusbrunnen, Trier. Quelle: UOJ

Auf dem Hauptmarkt steht der Petrusbrunnen von 1595. Auf der Säule thront die Figur des Apostels Petrus, des Stadtpatrons von Trier. Zu seinen Füßen stellen vier Frauengestalten die Kardinaltugenden dar: Gerechtigkeit, Stärke, Mäßigung und Weisheit.

St. Gangolf

Eingangstor zur Kirche St. Gangolf in Trier. Quelle: UOJ

Hinter der Häuserzeile des Marktes liegt die Kirche St. Gangolf. Ab dem 10. Jahrhundert errichteten nicht die Bischöfe, sondern die Bürger und Gilden der Stadt hier ihre eigene Marktkirche. Der Bau war ein bewusster Gegenpol zur bischöflichen Autorität: Die Kirche gehörte den Gilden und wurde von ihnen unterhalten.

Ihr 62 Meter hoher Turm überragte zeitweise sogar die Türme des Doms, woraufhin Erzbischof Richard von Greiffenklau seinen eigenen Südturm aufstocken ließ. Der Heilige Gangolf, ein burgundischer Ritter des 8. Jahrhunderts, fiel der Rache seiner untreuen Frau zum Opfer, die ihren Liebhaber anstiftete, ihn zu ermorden. An seinem Grab sollen sich Heilungswunder ereignet haben, besonders bei Augenleiden und Hautkrankheiten.

Der Trierer Dom

Vorderansicht des Doms von Trier. Quelle: UOJ

Die Pilger standen vor dem Dom. Die älteste Bischofskirche Deutschlands, deren Grundmauern bis in die Zeit Konstantins zurückreichen, vereint romanische, gotische und barocke Bauelemente unter einem Dach. Die Kölner Gemeinde war an diesem Tag nicht allein gekommen. Unabhängig voneinander hatten sich auch russisch-orthodoxe Gläubige aus Trier und Luxemburg im Dom eingefunden, unter ihnen Erzpriester Timofey Kitnis, Vorsteher der orthodoxen Gemeinde im Kloster der Geburt der Heiligen Gottesmutter Klausen bei Trier.

Gemeinsam stiegen die Gemeinden in die Krypta hinab, in der das Haupt der Heiligen Helena als Reliquie aufbewahrt wird. Helena, um 248 in Bithynien geboren und Mutter Kaiser Konstantins, hatte nach der Überlieferung das wahre Kreuz Christi in Jerusalem aufgefunden. Ihr Weg führte sie auch nach Trier, als ihr Sohn 306 zum Caesar ernannt wurde. Kaiser Karl IV. schenkte das Haupt im Mittelalter dem Trierer Erzbischof, seitdem ruht es in der Domkrypta. Für orthodoxe Christen, die Helena gemeinsam mit Konstantin als Apostelgleiche verehren, zählt diese Reliquie zu den kostbarsten des Abendlands.

Gemeinden der russisch-orthodoxen Kirchen aus Köln, Trier und Luxemburg in der Krypta. Quelle: UOJ

In der Krypta beteten die versammelten Gemeinden einen Akathistos und eine Paraklesis zu Ehren der Heiligen Konstantin und Helena. Die Gesänge verbanden Menschen aus Köln, Trier und Luxemburg, die sich zum Teil an diesem Tag zum ersten Mal begegneten. Es war ein Gebet, das nicht geplant, sondern gewachsen war: Gemeinden, die unabhängig voneinander an denselben Ort gekommen waren, fanden in der Krypta zu einer Stimme zusammen.

Nach den Gebeten wurde den Pilgern etwas zuteil, das im gewöhnlichen Ablauf nicht vorgesehen ist. Sie durften die Reliquie der Heiligen Helena aus unmittelbarer Nähe verehren und sich dem Haupt nähern. Dieser Zugang ist normalerweise nicht gestattet. Im Anschluss kamen die Gemeinden ins Gespräch und tauschten sich über ihr kirchliches Leben in Deutschland und Luxemburg aus.

Unmittelbar neben dem Dom steht die Liebfrauenbasilika, einer der frühesten gotischen Zentralbauten Deutschlands, um 1230 errichtet und seit 1986 Teil des UNESCO-Welterbes.

Die Konstantinbasilika

Die Konstantinbasilika in Trier. Quelle: UOJ

Von dort führte die Pilgerfahrt zur Konstantinbasilika, der ehemaligen Aula Palatina. Um 310 als Empfangshalle der kaiserlichen Residenz erbaut, diente sie im Mittelalter als Festung, wurde in der Neuzeit ins Kurfürstliche Palais integriert und ist seit 1856 evangelische Kirche. Die wechselvolle Geschichte dieses Baus spiegelt die Geschichte Triers selbst.

Kloster St. Matthias

Vorderansicht des Klosters „St. Matthias“ in Trier. Quelle: UOJ

Die letzte Station war das Kloster St. Matthias im Süden der Stadt. Die Benediktinerabtei beherbergt das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Die Gebeine des Apostels Matthias sollen auf Geheiß der Kaiserin Helena aus dem Heiligen Land nach Trier überführt worden sein.

In der Basilika befindet sich eine Ikone der Gottesmutter, die Maria in der Zeit ihrer Schwangerschaft zeigt. Sie wurde von einem spanischen Geistlichen gemalt und steht in der Tradition der besonderen Marienfrömmigkeit, die das Kloster seit Langem prägt. Seit dem 12. Jahrhundert zieht das Apostelgrab Pilger aus ganz Europa an. Bis heute leben Benediktinermönche im Kloster und empfangen die Wallfahrer, die zu Fuß oder mit dem Bus den Weg hierher finden.

Rückblick

Leiter der Pilgergemeinden, Alexej Potupin und Erzpriester Timofey Kitnis mit Erzpriester Matthias Zierenberg vor dem Schädel der heiligen Helena mit Kreuz und Ikone. Quelle: UOJ

Am Ende eines Tages, der von der Krypta der Märtyrer in St. Paulin bis zum Apostelgrab in St. Matthias reichte, blieb vor allem die Begegnung im Trierer Dom in Erinnerung. Gemeinden, die einander zuvor nicht kannten, hatten in einer Krypta gemeinsam gebetet und gesungen. Trier hatte sich an diesem 18. August einmal mehr als das erwiesen, was es seit fast zweitausend Jahren ist: ein Ort, an dem der Glaube tiefere Wurzeln hat als die Steine, auf denen er steht.

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