Abt Johannes: „Wir alle leben von der Barmherzigkeit Gottes“
Abt Johannes aus dem Dreifaltigkeitskloster Buchhagen sprach über das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht und die Bedeutung von Vergebung. Archivfoto: Screenshot YouTube
Abt Johannes vom Kloster Buchhagen hat in einer Predigt zum Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,23-35) die Bedeutung von Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft hervorgehoben. Gott vergebe dem Menschen seine Schuld und erwarte dafür, dass auch dieser seinen Mitmenschen mit Empathie begegne und bereit sei, auf eigene Ansprüche zu verzichten. Das Dreifaltigkeitskloster Buchhagen ist das einzige Kloster der Bulgarisch-Orthodoxen Metropolie von West- und Mitteleuropa in Deutschland. Das Kloster veröffentlichte die Predigt am 15. August 2026 auf seinem YouTube-Kanal.
Abt Johannes betonte in seiner Predigt, in menschlichen Beziehungen gebe es immer wieder „Schieflagen“. Gerade deshalb sei die christliche Haltung der Barmherzigkeit gefordert. Es brauche eine grundsätzliche Versöhnungsbereitschaft, denn Unversöhnlichkeit könne zu zerbrochenen Ehen, Freundschaften und anderen Beziehungen führen. Besonders problematisch sei dies, wenn Kinder unter der Trennung ihrer Eltern litten. Vergebung müsse dabei von innen kommen und der ernsthafte Wille bestehen, „in Harmonie und Frieden“ mit den Mitmenschen zu leben.
Zugleich verwies der Abt auf das „Gesetz der Waage“: Zum Streit und zum Vergeben gehörten jeweils zwei. Wenn nur eine Seite bereit sei, nachzugeben und zu vergeben, während die andere auf ihrer Rechthaberei beharre, entstehe eine Schieflage. Auch innerhalb der Kirche brauche es neben der Wahrheit die sogenannte „Ökonomie“, also Barmherzigkeit und einen angemessenen Umgang mit menschlichen Schwächen.
Alle Menschen lebten von der Barmherzigkeit Gottes, sagte Abt Johannes. Als Christen sollten sie deshalb ihre eigenen „Ecken und Kanten“ erkennen und sich um geistliche Reifung bemühen. Zugleich warnte er vor Unversöhnlichkeit: „Mit dem Maß, mit dem du deinen Bruder misst, wirst auch du gemessen von Gott.“ Das Gleichnis vom Knecht, dem eine große Schuld erlassen wurde, der aber selbst wegen einer vergleichsweise kleinen Schuld unbarmherzig gegenüber seinem Mitknecht war, mache deutlich, dass empfangene Barmherzigkeit auch zur Barmherzigkeit gegenüber anderen verpflichtet.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzpriester Slobodan Tijanić in Frankfurt predigte: „Alles wird der Mensch vergeben, wenn Freude in seiner Seele ist.“
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