Erzbischof Tichon: „Das Fasten soll der Reinigung von der Sünde dienen“

Erzbischof Tichon von Rusa betonte in Rostock die Bedeutung des Kreuzes Christi als Quelle geistlicher Kraft und rief zu Gebet, Enthaltsamkeit und Überwindung sündhafter Gewohnheiten auf. Foto: Diözese

Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche, hat am 14. August 2026 die Göttliche Liturgie in der Pfarrei der Heiligen Seligen Xenia von Petersburg in Rostock gefeiert. In seiner Predigt zum Fest der Prozession mit dem kostbaren und lebensspendenden Kreuz des Herrn rief er dazu auf, das beginnende zweiwöchige Gottesmutterfasten als Zeit der geistlichen Erneuerung, des Gebets und der Überwindung sündhafter Gewohnheiten zu nutzen. Die Diözese veröffentlichte die Predigt auf ihrer Webseite.

Erzbischof Tichon erinnerte zunächst an die zentrale Bedeutung des Kreuzes Christi. Seit Christus am Kreuz seine Arme ausstreckte und das Werk der Erlösung vollbrachte, sei das Kreuz für Christen Gegenstand ehrfürchtiger Verehrung und Quelle geistlicher Kraft. Es erinnere die Gläubigen daran, dass Kreuz und Auferstehung der Menschheit die Erlösung geschenkt hätten. Deshalb sollten Christen in allen Lebenslagen, in Freude wie in Leid, Gott für seine Gaben danken, Kraft aus dem Kreuz schöpfen und das eigene Kreuz geduldig tragen.

Das Fest der Prozession mit dem kostbaren und lebensspendenden Kreuz des Herrn gehe auf einen Brauch im alten Byzanz zurück, im August angesichts von Krankheiten und Epidemien das Kreuz durch die Straßen zu tragen und vor ihm zu beten.

Mit der Verehrung des Kreuzes beginne zugleich das Gottesmutterfasten, betonte Erzbischof Tichon. Die Kirche habe dieses zweiwöchige Fasten nach dem Vorbild der Gottesmutter eingeführt. Der Überlieferung zufolge habe sich die allheilige Gottesgebärerin nach der Nachricht über ihren bevorstehenden Tod durch Fasten und Gebet vorbereitet. Die Gläubigen seien deshalb aufgerufen, ihr auf diesem Weg zu folgen und die Fastenzeit als geistliche Vorbereitung auf die Begegnung mit Christus und seiner allreinsten Mutter bei den Festen der Verklärung des Herrn und der Entschlafung der Gottesmutter zu begehen. Dazu gehörten nach den Worten des Erzbischofs ein intensiveres Gebetsleben, die Lektüre der Heiligen Schrift, die Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Verhalten und eine kindliche Liebe zur Gottesmutter.

Ausführlich ging Erzbischof Tichon in seiner Predigt auf den geistlichen Sinn des Fastens ein. Es gehe nicht lediglich um die Einschränkung der Nahrung, sondern um die Reinigung von Sünde, die Befreiung von Leidenschaften, die Stärkung des Willens und eine innere Veränderung des Menschen.

Gerade beim Kampf gegen tief eingeprägte sündhafte Gewohnheiten könne das Fasten den Menschen unterstützen und seinen Willen zum Guten stärken. Unter Berufung auf Basilius den Großen erklärte Erzbischof Tichon, das Fasten führe den Menschen zu einem geistlichen Zustand, in dem er demütiger, stiller und für geistliche Kämpfe sowie den Empfang der Gnade Gottes empfänglicher werde. „Wer seinen Magen zügelt, wird ins Paradies eingehen; wer nicht, wird dem Tod zum Opfer fallen“, zitierte er den Kirchenvater. Abschließend rief er dazu auf, während der Fastenzeit durch Gebet und Enthaltsamkeit geistliche und körperliche Kraft zu suchen und das Fest der Entschlafung der Gottesmutter mit geistlicher Freude zu erwarten.

Die Liturgie wurde von Erzbischof Tichon gemeinsam mit dem Pfarrer der Rostocker Pfarrei, Priester Theodor Freiberger, gefeiert. Nach dem Gottesdienst vollzogen Erzbischof Tichon und die Geistlichen eine kleine Wasserweihe und spendeten den Segen über dem frisch geernteten Honig.

Die UOJ berichtete zuvor, dass Reliquien des heiligen Gorazd, eines Schülers der heiligen Slawenapostel Kyrill und Methodius, nach 1200 Jahren aus Albanien nach Mähren zurückkehrten.

Lesen Sie auch

Erzbischof Tichon: „Das Fasten soll der Reinigung von der Sünde dienen“

Der Geistliche der Russischen Orthodoxen Kirche feierte zum Beginn des Gottesmutterfastens die Liturgie in Rostock.

Patriarch Daniel: „Die Gottesmutter ist das Sinnbild der Kirche“

Der rumänisch-orthodoxe Patriarch erläuterte an Mariä Himmelfahrt die Bedeutung des Entschlafens und der Entrückung der Gottesmutter.

„Wir können hoffnungsvoll die Welt verlassen und die Auferstehung erwarten“

Bischof Johannes von Branitsa predigte in Sofia zu Mariä Himmelfahrt über die Demut der Gottesmutter und die Hoffnung auf die Auferstehung.

Erzpriester Mihail Rahr rief zu ehrlicher Prüfung des eigenen Glaubens auf

Predigt in der Berliner Gemeinde des Heiligen Isidor über Glaubensschwäche, Umkehr, Demut und die Gnade Gottes.

Reliquien des heiligen Gorazd nach 1200 Jahren nach Mähren zurückgekehrt

Teil der Reliquien des Schülers von Kyrill und Methodius aus Albanien nach Olomouc gebracht – auch Reliquien des heiligen Angelar überführt

Orthodoxe Pilgerfahrt zur Verklärung des Herrn nach Talmont-sur-Gironde

Erzdiözese der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa lädt am 18. und 19. August 2026 zur traditionellen Feier ein