Erzpriester Mihail Rahr rief zu ehrlicher Prüfung des eigenen Glaubens auf
Erzpriester Mihail Rahr bei der Predigt in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin. Archivfoto: Screenshot YouTube
Am Sonntag, den 9. August 2026, predigte Erzpriester Mihail Rahr in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin über das Evangelium von der Heilung eines Fallsüchtigen (Mt 17,14–23). Ausgehend von der Begegnung Christi mit dem von einem Dämon geplagten Jungen und dem unzureichenden Glauben der Jünger rief der Geistliche dazu auf, die eigene Glaubenspraxis ehrlich zu hinterfragen, persönliche Schwächen anzuerkennen und sich durch Gebet, Beichte und die Hinwendung zu Gott auf das ewige Leben auszurichten. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Erzpriester Mihail Rahr nahm Bezug auf die Heilung des von einem Dämon besessenen Jungen nach der Verklärung Christi. Die Jünger hatten den Jungen zuvor nicht heilen können, obwohl ihnen Christus bereits Vollmacht gegeben hatte, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. Die Reaktion Jesu auf den Kleinglauben seiner Zeitgenossen bezog der Erzpriester auch auf die Gegenwart. Auch getaufte Christen könnten zwar äußerlich gläubig sein, ihrem Glauben im täglichen Leben jedoch nur wenig Raum geben.
Der Prediger forderte deshalb dazu auf, die eigene Beziehung zu Gott ehrlich zu prüfen. Wer an Christus, die Eucharistie und das ewige Leben glaube, müsse sich auch fragen, warum er nicht zur Kirche komme, seine Sünden bereue und sich auf die Kommunion vorbereite. Ein Glaube, der sich im Wesentlichen darauf beschränke, Gottes Hilfe für irdische Anliegen zu suchen, greife zu kurz. Nach den Worten Christi müsse vielmehr zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gesucht werden. Auch die Einhaltung der Gebote und die Frage, welche Dinge im eigenen Leben möglicherweise den Platz Gottes einnehmen, gehörten zu einer solchen Prüfung.
Gleichzeitig warnte der Geistliche in seiner Predigt davor, die eigene Unwürdigkeit zum Anlass für Verzweiflung zu nehmen. Auch fromme Christen blieben hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück und seien auf die Gnade Gottes angewiesen. Als Beispiel verwies er auf das Gleichnis vom Schuldner, dem seine große Schuld erlassen wird. Entscheidend seien Demut, die ehrliche Anerkennung der eigenen Sünden und die Bereitschaft zur Umkehr. Die Gnade Gottes dürfe dabei weder als Selbstverständlichkeit missverstanden noch als Grund genommen werden, sich von der Kommunion und dem kirchlichen Leben fernzuhalten. Wer seine Schwächen in der Beichte vor Gott bringe und sich bemühe, der Sünde zu widerstehen, könne auf die Gnade Gottes hoffen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass der orthodoxe Verlag Hagia Sophia ein neues bioethisches Standardwerk ankündigte.
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