Deutsche ROKA-Diözese blickt auf 100 Jahre ihrer Geschichte zurück
Der spätere heilige Johannes (Maximowitsch), damals Erzbischof von Brüssel und Westeuropa, leitete in den 1950er-Jahren Versammlungen der europäischen Bischöfe. Foto: ROKA
Zum 100-jährigen Bestehen der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) hat ihr Archivar Anatolij Kinstler am 7. August 2026 einen umfassenden historischen Überblick veröffentlicht. Der auf der Internetseite der Diözesanzeitschrift „Der Bote“ erschienene Beitrag zeichnet anhand von Dokumenten die Entwicklung der Diözese von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nach.
Mit der Gründung der Deutschen Diözese im Jahr 1926 erhielt das russisch-orthodoxe Kirchenleben in Deutschland erstmals eine eigenständige diözesane Struktur. Nach administrativen Spannungen zwischen Metropolit Evlogij und der ROKA-Synode wurden die Gemeinden unter Bischof Tichon (Ljaschtschenko) zu einer selbstständigen Diözese zusammengeführt. Dies schuf die Grundlage für die organisatorische Konsolidierung der russischen Emigration in Deutschland.
Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung in der Nachkriegszeit. Deutschland wurde vorübergehend zum Verwaltungszentrum der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, während die Diözese Flüchtlinge und sogenannte Displaced Persons betreute. Der spätere heilige Johannes (Maximowitsch), damals Erzbischof von Brüssel und Westeuropa, koordinierte in den 1950er-Jahren das kirchliche Leben der europäischen Diözesen. Unter seiner Leitung befassten sich die Bischofsversammlungen unter anderem mit dem Priestermangel, der Verehrung westlicher Heiliger aus der Zeit vor dem Schisma von 1054 sowie mit Fragen des westlichen Ritus. Ebenfalls in diese Zeit fällt die staatliche Anerkennung des orthodoxen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in Bayern im Jahr 1956.
Als dritten Meilenstein beschreibt Kinstler die Entwicklung seit den 1990er-Jahren. Unter Metropolit Mark (Arndt) wuchs die Diözese durch die Einwanderung russischsprachiger Gläubiger, beteiligte sich am Dialog mit dem Moskauer Patriarchat und trug zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit im Jahr 2007 bei. Heute zählt die Diözese 71 Gemeinden und plant mit dem Kloster auf Schloss Seyfriedsberg bei Augsburg ein neues geistliches und administratives Zentrum.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Trump-Regierung das ROKA-Kloster Jordanville im Kampf gegen einen geplanten Windpark unterstützt.
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