Patronatsfest in Karlshorst: Predigt hob Demut und geistliche Würde hervor

Patronatsfest in der Kirche des heiligen Sergius von Radonesch in Berlin-Karlshorst: Erzbischof Tichon leitete die Göttliche Liturgie. Foto: Diözese

In der Kirche des heiligen Sergius von Radonesch in Berlin-Karlshorst ist am 18. Juli anlässlich des Patronatsfestes eine hierarchische Göttliche Liturgie gefeiert worden. Der Gottesdienst zum Gedenktag der Auffindung der Reliquien des heiligen Sergius von Radonesch wurde von Erzbischof Tichon von Rusa, Administrator der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, geleitet. Bereits am Vorabend waren ein Akathistos und die Vigil gefeiert worden, wie die Diözese auf ihrer Webseite berichtete.

Im Mittelpunkt der Liturgie stand die Predigt von Priester Oleg Beltek, der den heiligen Sergius als Wegbereiter der klösterlichen Erneuerung und als geistlichen Erneuerer der Rus würdigte. Aus der bescheidenen Waldzelle des späteren Heiligen sei die Dreifaltigkeitslawra hervorgegangen, die über Jahrhunderte zum geistlichen Zentrum der russischen Orthodoxie geworden sei. Mit der Einführung des gemeinschaftlichen Klosterlebens habe Sergius zahlreiche Schüler geprägt, die den Glauben durch die Gründung neuer Klöster weit über das Land verbreiteten. Zugleich erinnerte der Geistliche an die historische Bedeutung des Heiligen für die Einigung der Rus und an seine Segnung des Fürsten Dmitri Donskoi vor der Schlacht auf dem Kulikowo-Feld.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Priester der Bedeutung des heiligen Sergius für die russische Diaspora. Das 1925 gegründete St.-Sergius-Institut in Paris (Institut Saint-Serge) trage seinen Namen als Zeichen dafür, dass orthodoxer Glaube und geistliche Tradition auch fern der Heimat bewahrt werden könnten. Deshalb sei Sergius bis heute Namenspatron zahlreicher Gemeinden der russischen Diaspora und ein geistlicher Begleiter für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten.

Ausführlich ging Priester Oleg Beltek auf eine Überlieferung aus dem Leben des Heiligen ein, in der ein Bauer den berühmten Abt zunächst nicht erkennt, weil dieser in einfacher Kleidung im Garten arbeitet. Darin sah der Prediger eine zeitlose Mahnung, den Wert eines Menschen nicht nach Ansehen, Beruf oder gesellschaftlicher Stellung zu beurteilen. Gerade viele Auswanderer kennten die Erfahrung, dass frühere Berufe und gesellschaftliche Anerkennung im neuen Land an Bedeutung verlören. Das Beispiel des heiligen Sergius zeige jedoch, dass die wahre Würde des Menschen in der Treue zu Gott, im Dienst am Nächsten und in den von Gott geschenkten Gaben liege. Zugleich rief er dazu auf, in jedem Menschen das Ebenbild Gottes zu erkennen und sich nicht von äußeren Maßstäben leiten zu lassen. Die Feier endete mit einer Verherrlichung des Heiligen, Glückwünschen zum Patronatsfest und einem gemeinsamen Festmahl.

Die UOJ berichtete zuvor, dass ein Fahnenmast mit Regenbogenflagge vor einer Mannheimer Kirche abgesägt wurde.

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