Die „Symphonie“ von Kirche und Staat: Historisches Modell ohne Zukunft
Kaiser Konstantin der Große (M.) leitete mit der Anerkennung des Christentums den Wandel der Beziehungen zwischen Kirche und Staat ein. Foto: Wikipedia
Die deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) hat auf ihrem Diözesanorgan „Der Bote“ am 15. Juni 2026 einen theologischen Aufsatz von Priester Georgij Safoklov veröffentlicht. Unter dem Titel „Die ‚Symphonie‘ von Kirche und Staat – eine Chimäre der modernen orthodoxen Ekklesiologie“ setzt sich der Autor mit einem früheren Beitrag von Erzpriester Dimitrij Svistov über die byzantinische Doktrin der „Symphonie“ auseinander.
Priester Georgij Safoklov widerspricht der Auffassung, Kaiser Konstantin und Kaiser Justinian hätten ein theokratisches Staatsmodell angestrebt oder die Kirche dem Staat untergeordnet. Die justinianische „Symphonie“ sei vielmehr als historischer Versuch einer Zusammenarbeit zwischen kirchlicher und staatlicher Ordnung zu verstehen. Eine strikte Trennung von Kirche und Staat sei erst im Westen im Zuge der Säkularisierung entstanden und könne deshalb nicht auf das Byzantinische Reich übertragen werden.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine Wiederbelebung der byzantinischen „Symphonie“ unter heutigen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen weder realistisch noch erstrebenswert sei. Stattdessen solle das historische Modell wissenschaftlich aufgearbeitet werden, um daraus zeitgemäße Formen des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat zu entwickeln. Die „Symphonie“ gehöre daher in den Bereich der historischen Forschung und nicht zu den Modellen gegenwärtiger Kirchenpolitik.
Der Beitrag ist eine Replik auf den Artikel von Erzpriester Dimitrij Svistov „Zur Frage nach dem ursprünglichen Sinn der byzantinischen Doktrin der ‚Symphonia‘“.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Priester Arsenije Jovanović in Rosenheim predigte: „Die größte Krankheit des Menschen ist die Sünde.“
Lesen Sie auch
Priester Daniel Schärer: Die Herrlichkeit Gottes im Nächsten erkennen
Der Geistliche erinnerte in Zürich daran, trotz menschlicher Schwächen und Fehler die Würde des Mitmenschen zu sehen und ihn in christlicher Liebe anzunehmen.
Ex-EU-Kommissar fordert Estland auf, Eingriffe in Kirchenfragen zu stoppen
Der ehemalige EU-Kommissar erklärte, dass der Druck auf die Kirche die religiöse Entscheidung der Bürger in eine Frage staatlicher Loyalität verwandle.
Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem „Marsch für Jesus“ in Wien
Christen verschiedener Konfessionen setzten in der Innenstadt Zeichen für Glauben, Einheit und Frieden.
Ingolstädter Gemeinde beging das Fest der Geburt der Gottesmutter
Die ROKA-Gemeinde in Ingolstadt erinnerte an die Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin und veröffentlichte ein Troparion.
Metropolit Johannes feierte Patronatsfest der Alexander-Newski-Kathedrale
Die Erzdiözese der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa beging in Paris den Gedenktag des Großfürsten Alexander Newski.
Diakon Igor Willimowski: Gott erwartet den Einsatz unserer Talente
In einer Predigt zum Gleichnis von den anvertrauten Talenten erinnerte der Geistliche an die Verantwortung, die mit den von Gott empfangenen Gaben verbunden ist.