Gebet am Rande des Kölner CSD: Orthodoxe Jugend setzte Zeichen des Glaubens

Begleiteten den Christopher Street Day in Köln mit einem stillen Gebetseinsatz (v. l.): Georgi, Georgi, Chtets Georgi und David. Foto: David Schumacher
Während Hunderttausende am vergangenen Sonntag (5. Juli 2026) den Christopher Street Day (CSD) in Köln feierten, setzte eine kleine Gruppe junger Christen der Gemeinde der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland (Köln-Porz) ein bewusst anderes Zeichen: Ohne Protestparolen oder Provokationen begleiteten sie die Veranstaltung schweigend und betend.
Die Teilnehmer erklärten gegenüber der Redaktion, sie hätten sich als orthodoxe Christen in der Pflicht gesehen, auf ein Ereignis von dieser gesellschaftlichen Bedeutung öffentlich zu reagieren. Ihr Anliegen sei es gewesen, ein christliches Zeugnis abzulegen und durch das gemeinsame Gebet für alle Anwesenden einzutreten.
Die Gruppe betonte, dass ihr Einsatz nicht aus Ablehnung einzelner Menschen, sondern aus ihrem Verständnis christlicher Nächstenliebe erfolgt sei. Nach orthodoxer Glaubensüberzeugung sei jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen und verdiene Respekt und Achtung. Zugleich sehe sich die Kirche verpflichtet, an ihrer überlieferten Lehre über Ehe, Familie und menschliche Sexualität festzuhalten.
Die jungen Christen äußerten zudem die Sorge, dass sich zahlreiche christliche Gemeinschaften in Westeuropa zunehmend dem gesellschaftlichen Zeitgeist anpassten oder kontroverse Themen aus Furcht vor öffentlicher Kritik vermieden. Aus ihrer Sicht dürfe die Kirche ihre Verkündigung nicht an wechselnde gesellschaftliche Mehrheiten anpassen, sondern müsse die biblische Wahrheit auch dann bezeugen, wenn sie auf Widerspruch stoße.
Vor diesem Hintergrund verstanden die Teilnehmer ihr Gebet als geistlichen Dienst. Nach eigener Aussage baten sie Gott um Erleuchtung, Umkehr und sein Erbarmen für alle Menschen – unabhängig von deren persönlichem Lebensweg. Nach orthodoxem Verständnis schließe wahre Liebe zum Nächsten stets das Gebet für dessen Heil mit ein.
Der Gebetseinsatz verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Während ein Großteil der Besucher die kleine Gruppe kaum wahrnahm, kam es vereinzelt zu kurzen Gesprächen mit interessierten Passanten. Nach Angaben der Teilnehmer standen dabei nicht politische Debatten, sondern Fragen zum orthodoxen Glauben und zur Motivation ihres Gebetseinsatzes im Mittelpunkt.
David, der Leiter der kleinen Gebetsgruppe, schilderte der Redaktion seine Beweggründe und Eindrücke:
„Am Sonntag machten wir uns – ausgestattet mit bedruckten T-Shirts und Psaltern – nach der Göttlichen Liturgie auf den Weg in die Kölner Innenstadt, um dort für die Teilnehmer des CSD zu beten. Gemeinsam lasen wir vier Psalterkathismen und ergänzten sie mit Gebeten. Die Reaktionen der Passanten waren unterschiedlich. Manche schauten verwundert, andere versuchten zu provozieren, wieder andere begegneten uns mit Zustimmung. Insgesamt verlief die Aktion jedoch, Gott sei Dank, friedlich."
Die UOJ berichtete zuvor, wie aus einer deutschsprachigen Liturgie in Köln ein Ort der Begegnung über alle orthodoxen Grenzen hinweg wurde.
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