Schüsse auf Kirche in Hanau: Kritik an fehlender Einstufung als christenfeindlich

Die Kirche Heilig Geist in Hanau wurde während eines Sonntagsgottesdienstes Ziel eines Beschusses. Foto: Wikiwal/Wikipedia

Nach Schüssen auf die Kirche Heilig Geist in Hanau während einer Sonntagsmesse hat die Nichtberücksichtigung des Vorfalls als christenfeindliche Straftat Kritik ausgelöst. Die Beobachtungsstelle für Intoleranz gegenüber und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC) wirft den Behörden eine zu enge Auslegung der Kriterien vor. Darüber berichtete das christliche Onlinemagazin Corrigenda am 28. Mai 2026.

Unbekannte hatten während des Gottesdienstes am 17. Mai mit rund 200 Teilnehmern auf das römisch-katholische Kirchengebäude geschossen. Dabei wurden mehrere Einschüsse festgestellt, Glassplitter flogen in den Innenraum. Die Polizei geht davon aus, dass Softair-Waffen oder Zwillen mit Stahlkugeln verwendet wurden. Eine Person wurde leicht verletzt, der Sachschaden liegt bei etwa 5.000 Euro. Die Tat wird bislang von der Polizei als einfache Sachbeschädigung eingestuft.

Nach Angaben der zuständigen Behörden fehlt es an Hinweisen auf ein politisches oder ideologisches Motiv – eine Voraussetzung dafür, dass ein Vorfall in der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität als christenfeindlich erfasst wird. Auch eine Zuordnung zur Kategorie „Angriffsziel Kirche“ erfolge unter diesen Umständen nicht.

Die OIDAC kritisiert diese Bewertung scharf. Ihre Leiterin Anja Tang bezeichnet es als „abwegig“, bei einem Angriff auf eine Kirche während eines Gottesdienstes kein christenfeindliches Motiv zu erkennen. Die derzeitige Praxis des Bundeskriminalamts blende zahlreiche einschüchternde Angriffe aus, da sie zu stark auf politische Motive fokussiere. Im Vergleich zu internationalen Standards, etwa der OSZE, werde der Symbolcharakter solcher Taten unzureichend berücksichtigt.

Nach OIDAC-Angaben bleibt dadurch ein erheblicher Teil entsprechender Vorfälle statistisch unsichtbar. Während das Bundeskriminalamt für 2024 insgesamt 337 christenfeindliche Straftaten ausweist, dokumentierte die Organisation zusätzlich 134 Fälle, die nicht erfasst wurden. Die Beobachtungsstelle fordert daher eine grundlegende Überarbeitung der Erfassungsmethodik.

Die UOJ berichtete zuvor über einen neuen Videobeitrag von Erzpriester Martinos Petzolt zum Thema Krieg, Wehrdienst, Friedensgebot und die Ambivalenz in der kirchlichen Lehre.

Lesen Sie auch

Patronatsfest in Karlshorst: Predigt hob Demut und geistliche Würde hervor

Erzbischof Tichon von Rusa feierte die Göttliche Liturgie zum Gedenktag der Auffindung der Reliquien des heiligen Sergius von Radonesch – Priester Oleg Beltek predigte über den bekannten Abt

Fahnenmast mit Regenbogenflagge vor Mannheimer Kirche abgesägt

58-jähriger Mann nach Absägen eines Fahnenmasts vor der katholischen Kirche St. Sebastian als Tatverdächtiger ermittelt

Unbekannte verwüsten katholische Kirche in Kelheim

Die Polizei ermittelt wegen einer Sachbeschädigung in einem katholischen Gotteshaus und bittet um Zeugenhinweise.

Warum Theologie studieren? Saint-Serge-Institut eröffnet akademisches Jahr mit Konferenz

Orthodoxe Bildungseinrichtungen aus Paris und Brüssel widmen sich im September der Rolle der Theologie zwischen Wissenschaft, kirchlicher Tradition und gesellschaftlicher Verantwortung

In Österreich riefen Linke und Muslime zu Protesten gegen Kopftuchverbot auf

Linke Initiativen, Menschenrechtsorganisationen und muslimische Aktivisten kritisieren das neue Gesetz als diskriminierend.

Phanar-Gemeinde in New York veranstaltet Abendessen für Selenskyj

Die griechisch-orthodoxe St.-Nikolaus-Gemeinde des Ökumenischen Patriarchats wird dem ukrainischen Präsidenten die Auszeichnung „Beacon of Hope“ verleihen.