Zwischen Vaterlandspflicht und Friedensethik: Orthodoxe Sicht auf Krieg
Erzpriester Martinos Petzolt erläutert die differenzierte Haltung der Orthodoxen Kirche zu Krieg und Wehrdienst. Foto: Screenshot YouTube
Der Verein „Orthodoxe Einheit“ veröffentlichte am 29. Mai 2026 auf seinem YouTube-Kanal ein neues Video mit Erzpriester Martinos Petzolt aus Würzburg. Der griechisch-orthodoxe Geistliche spricht darüber, wie die Orthodoxie zu Krieg, Militärdienst und Wehrpflicht steht.
Erzpriester Martinos Petzolt beschreibt die Haltung der Orthodoxen Kirche zu Krieg und Militärdienst als grundsätzlich ambivalent. Einerseits werde die Liebe zum Vaterland sowie dessen Verteidigung als ehrenwert und notwendig angesehen. Entsprechend begleiteten Militärseelsorger Soldaten auch in Extremsituationen und böten ihnen geistlichen Beistand, selbst nach Gewalthandlungen im Krieg.
Gleichzeitig betont der Geistliche, dass jedes Töten – unabhängig von den Umständen – aus kirchlicher Sicht eine Unordnung darstelle. Dies zeige sich auch daran, dass selbst unbeabsichtigtes Töten schwerwiegende Konsequenzen habe, etwa den Ausschluss eines Priesters vom liturgischen Dienst. Die Kirche halte damit konsequent an einem hohen ethischen Ideal fest, das Blutvergießen grundsätzlich widerspreche.
Historisch habe die Kirche zwar Aufstände und Verteidigungskriege unterstützt und gesegnet, zugleich aber auch die Beteiligung von Klerikern am Kampf kritisch bewertet. Diese doppelte Perspektive spiegele sich bis heute in der Antwort auf die Frage nach Wehrpflicht und Militärdienst wider: Sie sei kein einfaches Ja oder Nein, sondern berücksichtige sowohl die Pflicht zum Schutz anderer als auch das Ideal des Friedens.
Erzpriester Martinos Petzolt unterstreicht, dass sowohl der Dienst zur Verteidigung Schutzbedürftiger als auch die Verweigerung aus Gewissensgründen kirchlich legitim sein können. Während Verteidigungskriege unter bestimmten Umständen als gerechtfertigt gelten, bleibe das Ziel der Kirche der Frieden. Gott sei ein Gott des Lebens, und letztlich müsse jedes Handeln auf das Heil und das ewige Leben ausgerichtet sein.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in der rumänisch-orthodoxen Kapelle in Wien eine Ikonenausstellung eröffnet wurde.
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