Zerstreuung und innere Leere: Orthodoxe Perspektiven auf digitale Ablenkung

Priester Matthias Fröse spricht in seinem Videobeitrag über die geistlichen Folgen digitaler Ablenkung und die Bedeutung der Stille im orthodoxen Glauben. Foto: Screenshot YouTube

In seinem neuen thematischen Videobeitrag spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz in der Außenstelle Meisenheim über die geistlichen Auswirkungen moderner Mediennutzung und die Bedeutung der inneren Sammlung. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 20. Mai 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.

Ausgangspunkt der Betrachtung ist die alltägliche Erfahrung vieler Menschen: Kurze Smartphone-Nutzung dehnt sich unbemerkt aus, hinterlässt jedoch trotz ständiger Reize ein Gefühl innerer Leere. Priester Matthias Fröse betont, dass digitale Medien nicht nur Zeit beanspruchen, sondern auch das innere Leben prägen. Entscheidend sei, womit sich das Herz des Menschen dauerhaft beschäftige.

Unter Verweis auf den Römerbrief des Apostels Paulus hebt der Priester hervor, dass Gedanken, Bilder und Eindrücke das Innere formen. Die heutige Kultur der permanenten Ablenkung erschwere jedoch die notwendige geistliche Sammlung. Stille werde zunehmend als unangenehm empfunden, während selbst kurze Pausen sofort mit neuen Inhalten gefüllt würden. Dies führe langfristig zu Unruhe und geistlicher Erschöpfung.

Die orthodoxe Tradition, so der Geistliche weiter, messe der inneren Wachheit große Bedeutung bei. Kirchenväter wie Isaak der Syrer und Theophan der Klausner hätten die Stille und die bewusste Aufmerksamkeit als zentrale Voraussetzungen des geistlichen Lebens beschrieben. Ohne diese Sammlung verliere der Mensch die Fähigkeit zum Gebet, da Gedanken und Eindrücke unkontrolliert weiterwirkten.

Abschließend plädiert Priester Matthias Fröse für bewusste Gegenmaßnahmen: Zeiten ohne digitale Ablenkung, stille Momente und eine Rückgewinnung innerer Gegenwart. Die von vielen empfundene Leere sei dabei nicht bedeutungslos, sondern könne als Hinweis verstanden werden, dass der Mensch nicht für dauerhafte Zerstreuung geschaffen sei. Geistliches Leben beginne dort, wo wieder echte Stille möglich werde.

Die UOJ berichtete zuvor, dass serbische Bischöfe die Verfolgung der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche anprangerten.

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