Bischof Irenei über den Palmsonntag: „Ein Tag der Freude und des Schmerzes“

Bischof Irenei von London zelebrierte am Palmsonntag in Genf.

Am Palmsonntag, dem 5. April 2026, hat Bischof Irenei von London und Westeuropa in der Kathedrale der Kreuzerhöhung in Genf die Ambivalenz dieses Festtages als zentrales geistliches Thema hervorgehoben, wie die Diözese der russischen Auslandskirche auf ihrer Webseite berichtete.

In seiner Predigt bezeichnete er den Palmsonntag als einen „seltsamen, wunderbaren und geheimnisvollen Tag“, der zugleich Freude und Trauer vereine. Die jubelnde Aufnahme Christi in Jerusalem stehe im direkten Zusammenhang mit seinem bevorstehenden Leiden und Tod. Liturgisch markiere der Tag einen Übergang: Die Große Fastenzeit sei beendet, die eigentliche Karwoche jedoch noch nicht begonnen.

Bischof Irenei betonte, dass es Christen nicht darum gehe, dieses Spannungsfeld rein rational zu erklären. Vielmehr seien sie aufgerufen, in das Geheimnis einzutreten und es im eigenen Leben wirksam werden zu lassen. In eindringlichen Bildern beschrieb er das Herz des Menschen als das eigentliche Jerusalem, in das Christus einzieht – begleitet von Jubel, aber auch von menschlicher Schwäche und Widersprüchlichkeit.

Zugleich warnte der Geistliche vor Selbsttäuschung: Derselbe Mensch, der „Hosanna“ ruft, könne durch Sünde und Untreue auch zu denen gehören, die Christus verraten. Die Kirche lade deshalb dazu ein, sowohl das Gute als auch das Böse im eigenen Inneren zu erkennen. Nur in dieser Ehrlichkeit könne Heilung und Verwandlung durch Gottes Liebe geschehen.

Abschließend verwies der Bischof auf die Hoffnung der Auferstehung. Trotz menschlicher Schuld bleibe Gottes Liebe unverändert und führe durch Kreuz und Tod zum Sieg des Lebens. Diese Gewissheit sei der Kern der christlichen Botschaft, die am Palmsonntag bereits anklinge.

Die UOJ berichtete zuvor, dass orthodoxe Christen sich am Münchner Marsch fürs Leben am 18. April 2026 beteiligen werden und ein liturgisches Programm anbieten.


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