„Allein mit dem menschlichen Verstand kann ich Gott nicht erkennen“

Erzpriester Mihail Rahr während seiner Predigt in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor in Berlin.

Zum 2. Herrentag der Großen Fastenzeit, dem 8. März 2026, predigte Erzpriester Mihail Rahr in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin (ROK) über die orthodoxe Lehre des Heiligen Gregor Palamas und darüber, dass wahre Gotteserkenntnis nicht allein durch den menschlichen Verstand, sondern durch geistliche Erfahrung und das Leben in der Gnade Gottes möglich ist. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Ausgehend vom Gedenktag des Heiligen Gregor Palamas, Erzbischof von Thessaloniki im 14. Jahrhundert, erläuterte Erzpriester Mihail Rahr zentrale Aspekte der orthodoxen Theologie. Gregor Palamas habe die Tradition des Hesychasmus verteidigt, die auf dem beständigen Jesusgebet und der inneren Ruhe beruhe. Ziel dieses geistlichen Weges sei die lebendige Gemeinschaft mit Gott, wie sie besonders im monastischen Leben auf dem Berg Athos angestrebt werde.

Der Prediger erinnerte an die Auseinandersetzung zwischen Erzbischof Palamas und dem aus Süditalien stammenden Mönch Barlaam, der stärker von der westlichen scholastischen Theologie geprägt gewesen sei. Während diese stark auf philosophisches Denken und den menschlichen Verstand setze, betone die orthodoxe Tradition die unmittelbare Erfahrung Gottes. Theologie entstehe demnach nicht nur aus gelehrtem Denken, sondern aus der Begegnung mit Gott im geistlichen Leben.

Als Beispiel verwies der Geistliche auf die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor. Die Jünger hätten nicht das Wesen Gottes gesehen – dieses bleibe dem Menschen unzugänglich –, wohl aber seine „göttlichen Energien“, also seine offenbare Herrlichkeit. Nach der Lehre der Kirche könne auch der Mensch in seinem geistlichen Leben Anteil an dieser göttlichen Gnade erhalten.

Für die Gläubigen bedeute dies, dass Gotteserfahrung vor allem durch Gebet, Fasten und die Teilnahme an den Sakramenten möglich werde. Besonders die heilige Kommunion sei nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern eine reale geistliche Erfahrung der Gegenwart Christi. Selbst Kinder könnten diese Wirklichkeit intuitiv wahrnehmen, auch wenn sie sie noch nicht in Worte fassen könnten.

Abschließend betonte der Erzpriester, dass der menschliche Verstand zwar für das Erkennen der sichtbaren Welt notwendig sei, zur Erkenntnis Gottes jedoch nicht ausreiche. Diese erschließe sich durch den geheiligten Geist des Menschen und durch das Leben in der Kirche. Wer diese Erfahrung mache, verliere auch angesichts von Krisen, Kriegen oder gesellschaftlichen Umbrüchen die Angst, da die Gemeinschaft mit Christus das eigentliche Ziel des christlichen Lebens sei.



Die UOJ berichtete zuvor, dass Patriarch Kyrill den Metropoliten Nestor seines Amtes enthoben und Metropolit Mark von Rjasan und Michailow zum Nachfolger ernannt hat.

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