„Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir aus unserer geistlichen Lähmung aufstehen“

Priester Matthias Fröse bei seiner Predigt in Meisenheim.

Am zweiten Sonntag der Großen Fastenzeit, dem 8. März 2026, sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz in der Außenstelle Meisenheim über die Heilung des Gelähmten im Markusevangelium, geistliche Lähmung und die heilende Kraft der Gnade Gottes. Die Predigt wurde auf dem YouTube-Kanal der Gemeinde veröffentlicht.

Ausgehend vom Evangelium, in dem vier Männer einen Gelähmten zu Christus bringen und durch das Dach zu ihm hinablassen (Mk 2,1-12), betonte Priester Matthias Fröse, dass Jesus zunächst die Sünden des Mannes vergibt, bevor er ihn körperlich heilt. Damit zeige Christus, dass die tiefste Krankheit des Menschen nicht die des Körpers, sondern die der Seele sei. „Der Mensch kann körperlich gesund sein und dennoch innerlich zerbrochen, unruhig und verloren“, sagte der Priester.

Die Schriftgelehrten hätten diese Vollmacht infrage gestellt, weil nach jüdischem Verständnis nur Gott Sünden vergeben könne. Gerade darin liege jedoch die zentrale Aussage des Evangeliums: Christus offenbare sich als Sohn Gottes, der die Macht habe, den Menschen ganzheitlich zu retten. Erst danach spreche er zu dem Gelähmten: „Steh auf, nimm dein Bett und geh.“

Der Geistliche übertrug die biblische Geschichte auf die Gegenwart und sprach von einer „geistlichen Lähmung“, die in der Tradition der Kirchenväter als Akedia bezeichnet werde. Diese äußere sich in innerer Unruhe, Sinnlosigkeit oder geistlicher Müdigkeit. Auch viele Menschen der heutigen Zeit erlebten eine solche Leere, obwohl sie ständig beschäftigt und von Informationen umgeben seien.

Die Große Fastenzeit beschrieb der Priester als Zeit der Heilung der Seele. Durch Gebet, Askese, Gottesdienste und die Teilnahme an den Sakramenten könne der Mensch wieder zu innerer Ordnung finden. Zugleich erinnerte er an den Kirchenvater Gregor Palamas, der die wirkliche Wirksamkeit der göttlichen Gnade betont habe. Wie im Evangelium trügen auch heute oft andere Menschen einen Schwachen zu Christus: „Die Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die einander zu Christus tragen.“



Die UOJ berichtete zuvor, dass vier junge Kleriker der deutschen Diözese der Russischen Auslandskirche nach einer Einführungszeit im Münchner Kloster ihren Dienst beginnen.


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