Priester Matthias Fröse stellte die Frage nach der inneren Haltung des Menschen
Priester Matthias Fröse während seiner Predigt in Meisenheim. Foto: Screenshot YouTube
Am Sonntag, dem 1. Februar 2026, sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über die geistliche Bedeutung des Gleichnisses vom Zöllner und Pharisäer als Auftakt der orthodoxen Vorfastenzeit. Die Predigt wurde auf dem YouTube-Kanal der Gemeinde veröffentlicht.
Mit dem Sonntag des Zöllners und des Pharisäers (Lk 18,10–14) beginnt in der orthodoxen Kirche das Triodion, das liturgische Buch der Vorfasten- und Fastenzeit. In seiner Predigt erläuterte Priester Matthias Fröse, dass diese Zeit nicht mit äußeren Regeln oder asketischen Leistungen einsetzt, sondern mit einer inneren Standortbestimmung des Menschen vor Gott. Das Triodion führe weg von Zerstreuung und religiöser Überfülle hin zu Sammlung, Wachsamkeit und ehrlicher Selbstprüfung.
Ausgehend vom Evangelium zeichnete der Geistliche die beiden Gebetshaltungen im Tempel nach. Der Pharisäer danke zwar Gott, messe sich jedoch im Vergleich mit anderen und stelle seine religiösen Leistungen wie Beweisstücke vor Gott aus. Damit lasse er keinen Raum für Gnade. Der Zöllner hingegen trete zurückhaltend auf, erkenne seine eigene Schuld und bringe sich mit einem einzigen Satz vor Gott: „Herr, sei mir Sünder gnädig.“
Gerade für kirchlich engagierte Gläubige sei dieses Gleichnis herausfordernd, betonte der Priester. Religiöse Korrektheit könne den Zugang zu Gott verstellen, wenn sie von Hochmut begleitet werde. Nicht die Sünde trenne von Gott, zitierte er den heiligen Johannes Chrysostomos, sondern der Hochmut, der die eigene Sünde nicht mehr sehe. Demut hingegen öffne den Weg zur Rechtfertigung.
Für die kommende Fastenzeit formulierte der Priester drei Prüfsteine: Fasten solle das Herz barmherziger machen, Gebet müsse wirklicher Dialog mit Gott sein und jeder menschliche Fall könne – in Demut bekannt – zu einem Ort der Gnade werden. Die Kirche lade nicht zu Selbstoptimierung ein, sondern zu einem Weg der Heilung, der in Wahrheit, Vertrauen und innerer Umkehr beginne.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Diakon Igor Willimowski in Krefeld die Demut des Herzens in den Mittelpunkt christlichen Lebens stellte.
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