Europarat forderte europaweites Verbot von „Konversionspraktiken“
Der Europarat in Straßburg verabschiedete eine Resolution zu sogenannten Konversionspraktiken. Foto: Europarat
Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) hat am 29. Januar 2026 eine Resolution beschlossen, die ein umfassendes Verbot sogenannter Konversionspraktiken in allen 46 Mitgliedstaaten fordert. Der Beschluss ist rechtlich nicht bindend, soll jedoch als politische Leitlinie für nationale Gesetzgeber dienen. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schritt zum Schutz der Menschenrechte, Kritiker warnen vor Eingriffen in Elternrechte, Therapiefreiheit und Religionsausübung, wie „Die Tagespost“ berichtete.
Die Resolution wurde am Donnerstag auf Initiative der britischen Labour-Abgeordneten Katharine Helen Osborne verabschiedet. Unter Konversionspraktiken werden allgemein Versuche verstanden, homosexuelle oder bisexuelle Menschen zu einer heterosexuellen Orientierung zu „verändern“ beziehungsweise eine empfundene Geschlechtsidentität therapeutisch oder religiös umzulenken.
Der Text der PACE definiert solche Praktiken als alle Maßnahmen und Bemühungen, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität einer Person zu verändern, zu unterdrücken oder zu hemmen. Darunter fallen nach dem Dokument nicht nur Misshandlungen wie Isolation, Elektroschocks oder Zwangsmedikation, sondern auch Formen psychologischer Beratung und religiöser Begleitung.
Bei der Abstimmung zeigten sich klare politische Fronten. Sozialisten und Vereinigte Europäische Linke votierten geschlossen für den Antrag, ebenso unterstützte die liberale ALDE-Fraktion den Text mit großer Mehrheit. Die Europäische Volkspartei war gespalten, während die Fraktion der Europäischen Konservativen nahezu geschlossen dagegen stimmte; zwei Abgeordnete enthielten sich.
Mehrere Organisationen äußerten bereits im Vorfeld erhebliche Bedenken. Psychotherapeuten befürchten Einschränkungen ergebnisoffener Gespräche, Elternrechtsinitiativen warnen vor staatlichem Druck im Umgang mit Minderjährigen. Auch Teile der LGBT-Bewegung, darunter die britische LGB Alliance, sehen die Gefahr eines „chilling effect“, also einer abschreckenden Wirkung möglicher Strafandrohungen.
Die Parlamentarische Versammlung ist ein Organ des Europarates, einer 1949 gegründeten zwischenstaatlichen Organisation zur Förderung von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die institutionell von der Europäischen Union unabhängig ist.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in Polen ein Kreuz im Mülleimer einen politischen Streit auslöste.
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