Erzpriester Matthias Zierenberg: „Das Böse duldet das Gute nicht“

Erzpriester Matthias Zierenberg in Limburg-Dietkirchen. Foto: Screenshot YouTube

In seiner Predigt zum 31. Sonntag nach Pfingsten, dem 11. Januar 2026, in der deutschsprachigen serbisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Lubentius in Limburg-Dietkirchen deutete Erzpriester Matthias Zierenberg die Menschwerdung Christi als radikale Selbsterniedrigung Gottes in einer von Bösem geprägten Welt und als bleibende Herausforderung für Kirche und Gesellschaft. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Ausgehend vom Evangelium des Tages (Mt 2,13–23) stellte Erzpriester Matthias Zierenberg die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten in den Mittelpunkt. Gott werde in Jesus Christus ganz Mensch und setze sich damit bewusst der Gewalt und Verfolgung des Bösen aus. Obwohl allmächtig, verzichte Christus auf jede wundertätige Machtdemonstration und teile das menschliche Ausgeliefertsein. Das Böse erscheine in der Gestalt des Herodes, stehe aber sinnbildlich für alle Mächte, die das Gute nicht dulden.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Prediger dem gerechten Josef. Dessen vorbehaltloser Gehorsam gegenüber den göttlichen Weisungen sei vorbildhaft für Kirche und Priester: Josef bewahre, beschütze und diene dem göttlichen Kind, ohne zu fragen oder zu zögern. Selbst Orte wie Ägypten oder Babylon, Sinnbilder der Gottlosigkeit und Feindschaft gegenüber Israel, würden durch die Gegenwart Christi geheiligt. Zugleich bleibe das Böse real und wirksam in der Geschichte.

In diesem Zusammenhang erinnerte Erzpriester Matthias Zierenberg auch an den Kindermord von Bethlehem, den er als äußersten Ausdruck blinder Machtgier deutete und zugleich als zeitloses Zeichen dafür, dass das Böse bereit sei, unschuldiges Leben zu vernichten, um Gott selbst zu treffen.

Der Geistliche spannte den Bogen in die Gegenwart und warnte vor geistlicher Blindheit durch Gier, Hass und Ideologie. Herodes stehe exemplarisch für Systeme und Gesellschaften, die göttliche Gebote missachten und das Leben relativieren. Die Verantwortung der Christen wachse gerade in demokratischen Ordnungen, auch dort, wo Gottes Weisungen nicht mehr ausdrücklich gefragt seien. Dennoch gebe es keinen Grund zur Verzweiflung: Gott sei allwissend und allmächtig und kehre immer wieder zu den Menschen zurück, die bereit seien, auf ihn zu hören.

Abschließend betonte der Erzpriester, dass Demut, Gehorsam und Tugend die angemessene Antwort auf die Menschwerdung Christi seien. Wie Josef sei die Kirche gerufen, den immer wieder neugeborenen Christus treu zu begleiten – im Vertrauen darauf, dass keine weltliche Erniedrigung der Würde des Gottmenschen und der Würde des Menschen schade, wenn sie dem Heil diene.



Die UOJ berichtete zuvor, dass der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill in seinem traditionellen Weihnachtsinterview über Russland, Familie, Glaube und die Spannungen mit dem Westen sprach.

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