„In der Liturgie stehen wir bereits mit einem Bein im Paradies“
Priester Konstantin Anikin während der Predigt in der Kirche des Heiligen Isidor zu Berlin. Foto: Screenshot YouTube
Zum 29. Sonntag nach Pfingsten, dem 28. Dezember, predigte Priester Konstantin Anikin in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin (ROK) über das Gleichnis vom großen Festmahl und seine Bedeutung für das christliche Leben. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Ausgehend vom Evangelium vom großen Festmahl (Lk 14,16–24) erklärte Priester Konstantin Anikin, dass Christus dieses Gleichnis bewusst in einer Bildsprache erzählt, die den Menschen vertraut ist. In der jüdischen Tradition sei das Paradies als ewiges Festmahl verstanden worden. In der christlichen Auslegung, so der Prediger, erschließe sich dieses Festmahl vor allem als die göttliche Liturgie und die heilige Eucharistie, zu der alle Menschen – insbesondere die Getauften – eingeladen seien.
Der Geistliche ging auf die im Gleichnis genannten Entschuldigungen der Eingeladenen ein. Ehe, Arbeit und Besitz seien an sich keine Sünden. Dennoch zeige das Evangelium deutlich, dass jene, die die Einladung ausschlagen, vom Festmahl ausgeschlossen werden. Dahinter stehe nicht moralisches Fehlverhalten, sondern eine falsche Prioritätensetzung: Das Entscheidende werde zugunsten des Alltäglichen zurückgestellt.
Mit Verweis auf die Offenbarung des Johannes betonte der Priester, dass das ewige Leben selbst liturgischen Charakter trage. Die himmlische Wirklichkeit werde als fortwährender Gottesdienst beschrieben. Wer die göttliche Liturgie hier auf Erden als langweilig empfinde oder vernachlässige, werde auch im Paradies keine Freude finden. Die Liturgie sei daher nicht Beiwerk, sondern der Kern des christlichen Lebens und ein Vorgeschmack des ewigen Reiches Gottes.
Priester Konstantin Anikin verwies in seiner Auslegung auf ein Wort des Kirchenvaters Johannes Chrysostomus, dem zufolge die Gläubigen während der Liturgie bereits „mit einem Bein im Paradies“ stünden.
Zugleich unterstrich er, dass ohne die Liturgie das Christentum seine lebendige Grundlage verlieren würde. Ohne sie, so der Priester, könne der Glaube nicht bestehen und es gäbe letztlich keine wirkliche Gemeinschaft von Gläubigen mehr. Das Christentum würde ohne die liturgische Feier auf eine bloße philosophische Lehre reduziert werden. Erst die Liturgie verleihe dem Glauben Tiefe und Lebenskraft.
Abschließend erinnerte er daran, dass gute Werke notwendig seien, jedoch ihren rechten Platz hätten. Sie könnten die Teilnahme an der Liturgie nicht ersetzen. Wer etwa aus scheinbar guten Gründen den sonntäglichen Gottesdienst versäume, handle wie die Geladenen im Gleichnis, die das Wichtigste verpasst hätten. Die Predigt schloss mit dem Aufruf, die göttliche Liturgie zu lieben und ihr im eigenen Leben den ersten Platz einzuräumen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass im neuen Baptisterium des orthodoxen Kirchenzentrums München eine erste Taufe stattfand.
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