Pilgerführer warnte vor einem Verschwinden der Christen aus dem Heiligen Land

Buchautor und Pilgerführer Johannes Zang befürchtet, dass Christen im Heiligen Land in wenigen Jahren verschwunden sein könnten. Foto: Wuppertaler Friedensforum

Der Buchautor und Pilgerführer Johannes Zang warnt vor einem möglichen Verschwinden der christlichen Bevölkerung im Heiligen Land. In seinem neuen Interviewband „Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung“ schildern palästinensische Christen drastische Erfahrungen mit Kontrollpunkten, fehlender Bewegungsfreiheit und wachsender Hoffnungslosigkeit. Zang sprach am 14. November 2025 mit dem katholischen Nachrichtenportal domradio.de über seine Erfahrungen und Befürchtungen.

Palästinensische Christen im Westjordanland, Ost-Jerusalem und im Gazastreifen berichten nach Angaben des Autors Johannes Zang von einem Alltag geprägt durch Einschränkungen und Angst. Viele Familien ziehen in Betracht, ihre Heimat zu verlassen, sagte Zang, der seit über 25 Jahren mit christlichen Gemeinden in der Region verbunden ist. Die Bewegungsfreiheit sei massiv beeinträchtigt, Kontrollpunkte, Mauern und Zäune erschwerten den Zugang zu Krankenhäusern, Schulen, Arbeitsplätzen und Verwandten.

Besonders belastend seien lange und erniedrigende Kontrollen an Checkpoints. Zang schildert den Fall eines Palästinensers, der für einen Arzttermin in Ramallah rund 16 Stunden unterwegs war, weil israelische Soldaten einen Kontrollpunkt stundenlang geschlossen hielten. Auch Anträge auf Familienzusammenführung führten laut Zang zu jahrelanger Unsicherheit und drohender Abschiebung.

Zusätzlich berichteten Gesprächspartner von Spannungen mit national-religiösen jüdischen Siedlern sowie von der Haltung evangelikaler Christen aus dem Ausland, die Israel politisch und theologisch unterstützen, dabei jedoch christliche Palästinenser kaum wahrnähmen. Manche Pilger äußerten laut Zang sogar, Christen stünden dem Heilsplan Gottes im Wege – trotz jahrhundertealter Verwurzelung der Gemeinschaft im Land Jesu.

Im Westjordanland und Ost-Jerusalem leben derzeit rund 50.000 Christen. Sie tragen entscheidend zur Gesundheitsversorgung und zu sozialen Einrichtungen bei und verstehen sich als Hüter der heiligen Stätten. Sollte die Auswanderung weiter zunehmen, drohe das Heilige Land zu einem religiösen Museumsraum ohne einheimische christliche Präsenz zu werden, so Zang. Nur wenige seiner Gesprächspartner blickten noch mit Hoffnung in die Zukunft.

Die UOJ berichtete zuvor, dass der bulgarisch-orthodoxe Metropolit Antonij Kardinal Pizzaballa aus Jerusalem empfangen hatte.


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