Erzbischof Tichon: „Der Herr zwingt niemanden, Ihm zu folgen“

Erzbischof Tichon von Ruza rief in Berlin zum Tragen des Kreuzes auf. Foto: Diözese
Am 16. Sonntag nach Pfingsten, dem 28. September 2025, predigte Erzbischof Tichon von Ruza, Administrator der Diözese Berlin und Deutschland der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK), in der Kirche des Heiligen Sergius von Radonesch in Berlin über die Bedeutung der Selbstverleugnung und des Kreuztragens im christlichen Leben. Die Feier stand im Zeichen des Festes der Kreuzerhöhung. Darüber berichtete die Diözese auf ihrer Webseite.
In seiner Predigt betonte Erzbischof Tichon die zentrale Botschaft des Evangeliums vom Tag: Wer Christus nachfolgen wolle, müsse sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und Ihm folgen (vgl. Mk 8,34). Dies bedeute, nicht dem eigenen Willen, sondern dem Willen Gottes zu folgen – selbst unter Entbehrungen.
„Der Herr zwingt niemanden, Ihm zu folgen“, so der Erzhirte. „Er überlässt es dem freien Willen des Menschen, ob er für Wahrheit und Heiligkeit oder für die sündige Welt lebt.“ Nur durch bewusste Abkehr von Leidenschaften und Sünde könne der Mensch frei werden für das Leben in Christus.
Der Erzbischof verwies auf das Vorbild der Heiligen, die bereit waren, alles für Christus aufzugeben: „Sie opferten die Güter der Welt – und wurden nicht enttäuscht in ihrer Hoffnung auf das Himmelreich.“
Erzbischof Tichon beklagte, dass viele Menschen Christus heute nicht folgten – aus geistiger Trägheit, mangelndem Glauben oder Bindung an irdische Genüsse. Er kritisierte den Zeitgeist, der zur Selbstverwirklichung ohne Gott aufrufe: „‚Nimm alles vom Leben‘ – das ist der Weg in die Enttäuschung und oft sogar in die Verzweiflung.“
Demgegenüber stehe das christliche Leben als bewusster Kampf gegen Sünde und Selbstsucht. „In der Selbstverleugnung liegt unsere Rettung“, erklärte der Erzbischof. Wer sich diesem Weg verweigere, sei in Gefahr, seine Seele zu verlieren. Wer aber um Christi willen sein Leben hingebe, werde „nicht sterben, sondern leben“ (vgl. Ps 117,17).
Die Liturgie in der Kirche des Heiligen Sergius von Radonesch stand ganz im Zeichen des Kreuzes: Nach dem Gottesdienst wurde eine Kreuzesverehrung durchgeführt. Am Vortag hatte Erzbischof Tichon die Nachtwache in der Auferstehungskathedrale geleitet.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in Krefeld eine gemeinsame Pastoralkonferenz beider russisch-orthodoxen Kirchen mit gemeinsamer Bischofsliturgie stattfinden wird.
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