Abt Johannes: „Das Heilige tragen“ beginnt mit der eigenen Heiligung

Abt Johannes vom Dreifaltigkeitskloster Buchhagen. Archivfoto: Screenshot YouTube
Abt Johannes aus dem Dreifaltigkeitskloster Buchhagen im Weserbergland hat in einer Predigt zum zweiten Sonntag nach Kreuzerhöhung dazu aufgerufen, das „Heilige zu tragen“, indem Christen sich selbst für die Gnade Gottes öffnen, ihr Leben an Christus ausrichten und Verantwortung für ihr Umfeld und ihr Land übernehmen. Persönliche Heiligung und der konkrete Dienst am Nächsten seien dabei untrennbar miteinander verbunden. Das Dreifaltigkeitskloster Buchhagen ist das einzige Kloster der Bulgarisch-Orthodoxen Metropolie von West- und Mitteleuropa in Deutschland. Das Kloster veröffentlichte die Predigt am 3. Oktober 2026 auf seinem YouTube-Kanal.
Abt Johannes stellte in seiner Predigt das Thema des „heiligen Tragens“ in den Zusammenhang mit der biblischen Erzählung von Sodom und Gomorra und der Vorstellung der „36 Gerechten“, um deren Willen Gott die Welt erhalte. Auch heute komme denjenigen, die in Einheit mit Christus und in Treue zur Kirche lebten, eine besondere Verantwortung zu. Für orthodoxe Christen bestehe diese zunächst in der eigenen Heiligung: „Als orthodoxe, rechtehrende Christen haben wir zwei Aufgaben, nämlich die erste, uns selbst zu heiligen, bzw. durch die Kraft der Gnade Gottes uns heiligen zu lassen.“ Der Mensch müsse sich für die göttliche Gegenwart öffnen und sein Leben so gestalten, „dass Gott sich wohlfühlt“.
Aus der persönlichen Heiligung folge unmittelbar der Dienst am Heiligen. Wer sich heilige, werde „automatisch zum Träger des Heiligen“ und müsse dies auch in seinem konkreten Lebensalltag sichtbar werden lassen. Dazu gehöre, das eigene berufliche und persönliche Handeln am Willen Gottes zu prüfen und gegebenenfalls Veränderungen nicht aus Bequemlichkeit aufzuschieben. „Der Maßstab muss natürlich sein Heiligung und der Dienst am Heiligen“, betonte der Abt. Zugleich bedeute dies nicht, dass jeder Mönch werden müsse: Vielmehr solle jeder „in dem Lebenskontext, in dem man eben steht, das Beste tun, was man kann“.
Besondere Bedeutung maß Abt Johannes diesem Auftrag für die Orthodoxie in Deutschland bei. Die Kirche müsse hier ebenso selbstverständlich und tief verwurzelt werden wie in den traditionellen orthodoxen Ländern. „Die heilige Kirche Gottes auch hier bei uns“ müsse „genauso eingewurzelt und genauso selbstverständlich und natürlich“ werden wie die Landschaft und das Leben der Menschen. Das „heilige Tragen“ schließe deshalb auch die Verantwortung für das konkrete Volk und Land ein: Für das deutsche Volk müsse an diesem Ort „Heiligung, Reinigung und am Ende auch Heilung“ geschehen. Voraussetzung dafür sei die Bereitschaft zur persönlichen Wandlung. Der Mensch könne die Gnade nicht erzwingen, wohl aber „den Acker bereiten“, damit das Wort Gottes Frucht bringe. Innere Freiheit, Großherzigkeit und Barmherzigkeit seien dafür entscheidend. Auch praktische Hilfe, Mitarbeit am Kloster und die Beteiligung am kirchlichen Leben seien Formen dieses „heiligen Tragens“.
Die UOJ berichtete zuvor, dass ein katholischer Priester in Polen nach einem tödlichen Messerangriff auf sein Kloster zur Vergebung aufrief.
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