Priester Daniel Schärer: Das Kreuz als Achse des Universums und des Lebens

Priester Daniel Schärer predigte in der Auferstehungskirche Zürich. Archivfoto: Screenshot Facebook

Priester Daniel Schärer predigte in der Auferstehungskirche Zürich. Archivfoto: Screenshot Facebook

Priester Daniel Schärer predigte am Sonntag, dem 27. September 2026, in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich zum Hochfest der Kreuzerhöhung über die Bedeutung des Kreuzes als Achse des Universums und als Orientierungspunkt des christlichen Lebens. Er erläuterte, wie Christen in persönlichen Leiden Christus erkennen und am Kreuz teilhaben können, indem sie sowohl die eigenen Kreuze annehmen als auch die Lasten ihrer Mitmenschen mittragen. Die Gemeinde übertrug die Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal (Predigt ca. ab Min. 52).

In seiner Predigt erinnerte Priester Daniel Schärer zunächst an die historische Überlieferung von der Rückführung des Kreuzes nach Jerusalem, nachdem es von den Persern erbeutet worden war. Über dieses Ereignis hinaus habe das Kreuz eine kosmische Bedeutung: Es sei die Achse des Universums, durch die sich die Ausrichtung der Welt vom Tod zum Leben verändert habe. Das Kreuz stehe für die Verwandlung und Verklärung der gesamten Schöpfung.

Diese Bedeutung sei im Alltag jedoch oft schwer zu erkennen. Wie die Menschen auf Golgatha zunächst vor allem einen Gekreuzigten gesehen hätten, nähmen auch Christen in ihrem eigenen Leben häufig zuerst das Leid, die Mühsal oder die Schwierigkeiten wahr. Unter Berufung auf den heiligen Theophan den Klausner erklärte Priester Daniel Schärer, dass Menschen, denen Gott die Augen für die Bedeutung des Kreuzes öffne, in Bedrängnis Weite, in Trauer Süße und in Erniedrigung Größe erkennen könnten. Entscheidend sei, in den eigenen Kreuzen Christus zu sehen, sie anzunehmen und dadurch an seinem Leiden teilzuhaben.

Eine weitere Möglichkeit, am Kreuz Christi teilzuhaben, bestehe darin, das Leiden anderer Menschen zu lindern. Der Geistliche betonte, dass Jesus Christus den Hungernden zu essen gegeben und Kranke geheilt habe. Christen seien deshalb aufgerufen, nicht das Leiden anderer als notwendig hinzunehmen, sondern ihnen beizustehen und ihre Lasten mitzutragen. Christus habe den Tod erlitten, um den Tod zu besiegen; in der tätigen Nächstenliebe könnten Christen an diesem Weg teilhaben.

Abschließend rief der Priester dazu auf, die Bedeutung des Kreuzes nicht auf dessen Verehrung in der Kirche zu beschränken, sondern sie in das persönliche Leben mitzunehmen. Christen sollten sich nicht allein an Kategorien wie Erfolg und Misserfolg, Erhöhung und Erniedrigung oder Freude und Trauer orientieren, sondern fragen, wo Christus in den jeweiligen Lebenssituationen gegenwärtig sei. Seine abschließende Bitte lautete, dass Gott den Menschen die Augen öffnen möge, damit das Kreuz, die Achse des Universums, auch zur Achse ihres eigenen Lebens werde.

Die UOJ berichtete zuvor, dass eine Reliquie des Heiligen Nikolaus in vier rumänisch-orthodoxe Gemeinden in Deutschland empfangen wurde.

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