Nordmazedonien: Sexualkunde-Lehrplan wird nach Protesten überarbeitet
Vikarbischof Jakov von Stobi kritisierte den Sexualkunde-Lehrplan des nordmazedonischen Bildungsministeriums, das daraufhin eine grundlegende Überarbeitung des Wahlfachs ankündigte. Fotos: tiveriopol.mk/Ratko Mirtscheski, Wikipedia
Das nordmazedonische Bildungsministerium hat den neuen Lehrplan für Sexualkunde an Gymnasien vorerst zurückgezogen. Bildungsministerin Vesna Janevska kündigte am 10. September 2026 eine gründliche Überarbeitung an. Vorausgegangen waren öffentliche Proteste und insbesondere ein offener Brief des Vikarbischofs Jakov von Stobi, Vikars der Diözese Strumica der Mazedonischen Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid, vom 6. September. Darüber berichtete das kirchliche Nachrichtenportal religija.mk.
Der Bischof hatte den 36-stündigen Lehrplan vor allem wegen seiner vorgegebenen Lernergebnisse kritisiert. Als erstes Themenfeld sind „Geschlecht und Geschlechtergleichstellung“ vorgesehen; behandelt werden unter anderem Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechterrollen. Nach Ansicht von Jakov vermitteln die Vorgaben den Schülern bereits festgelegte Positionen der Genderideologie, etwa dass sexuelle und reproduktive Rechte Teil der Menschenrechte seien und Menschen unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität gleich behandelt werden sollten. Dies widerspreche einem ergebnisoffenen Unterricht und dem Anspruch auf kritisches Denken. „Das ist keine Bildung, das ist Training“, schrieb der Vikarbischof.
Ministerin Janevska erklärte dagegen, wissenschaftliche Erkenntnisse belegten den Nutzen von Sexualaufklärung für junge Menschen. Das Fach war als Wahlfach vorgesehen und damit nicht verpflichtend. Dennoch wolle sie die Einwände aus der Öffentlichkeit berücksichtigen: „Es ist die Pflicht des Bildungsministers, allen, die Anmerkungen zum Bildungssystem haben, Gehör zu schenken.“ Nach der Überarbeitung soll entschieden werden, ob Sexualkunde an den Gymnasien wieder angeboten wird und in welcher Form und mit welchem Lehrplan.
Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.
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