Der reiche Jüngling und die „eiserne Mauer“ des Eigenwillens

Priester Matthias Fröse predigte in Meisenheim. Foto: Screenshot YouTube

Priester Matthias Fröse predigte in Meisenheim. Foto: Screenshot YouTube

Am Sonntag (23. August 2026) sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus in Mainz in der Außenstelle Meisenheim über das Evangelium vom reichen Jüngling (Mt 19,16-26) und die Frage nach dem ewigen Leben. Die Gemeinde veröffentlichte das Video der Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

Der junge Mann fragt Christus, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen. Obwohl er die Gebote halte, spüre er, dass ihm etwas fehle. Christus fordert ihn auf, seinen Besitz zu verkaufen, den Erlös den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Der Jüngling geht traurig davon, weil er viele Güter besitzt. Der Geistliche betont in seiner Predigt, dass nicht der Besitz an sich das Problem sei, sondern die Frage, ob der Mensch über seinen Besitz verfüge oder dieser über ihn.

Diese Frage überträgt der Priester auf das eigene Leben. Neben Geld könnten auch Bequemlichkeit, Ansehen, der Wunsch, Recht zu haben, Kränkungen oder Unversöhnlichkeit den Menschen binden. Der Wüstenvater Poimen habe den Eigenwillen als „eiserne Mauer“ zwischen Mensch und Gott bezeichnet. Dem „Mein Wille geschehe“ stellt Fröse den geheilten Willen gegenüber: „Dein Wille geschehe.“

Im Zusammenhang mit dem Nachfest der Verklärung des Herrn deutet der Priester das Taborlicht als Licht, das nicht nur Christus offenbare, sondern auch das Herz des Menschen. Es mache sichtbar, woran dieser gebunden sei. Als Gegenbild zum reichen Jüngling führt er den Apostel Paulus an: Während der Jüngling an seinem bisherigen Leben festhält, lässt Paulus zu, dass Gottes Gnade ihn verwandelt. Aus dem Verfolger wird ein Apostel.

Priester Matthias Fröse betont, dass diese Verwandlung nicht aus eigener Kraft möglich sei. Christus rufe den Menschen, zwinge ihn aber nicht. Entscheidend sei seine Antwort und die Bereitschaft zu einem konkreten Schritt des Vertrauens – etwa zu vergeben, um Entschuldigung zu bitten, etwas abzugeben oder eine Sorge Gott zu überlassen.

Christus wolle den Menschen nicht seines Besitzes berauben, sondern ihn von dem befreien, was ihn gefangen hält. Deshalb solle man nicht traurig von Christus fortgehen, wenn sein Wort einen schmerzhaften Punkt berühre, sondern um Befreiung und Verwandlung bitten. So könne das Licht des Tabor auch das eigene Leben durchdringen und verändern.

Die UOJ berichtete zuvor, dass Metropolit Serafim in einer Predigt erklärte: „Die höchste Kultur der Menschheit ist die orthodoxe Liturgie der Kirche.“

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