35-jähriges Jubiläum der russisch-orthodoxen Gemeinde in Mainz
Priester Matthias Fröse zelebrierte die Göttliche Liturgie und hielt die Festansprache zum 35-jährigen Bestehen der russisch-orthodoxen Gemeinde des hl. Märtyrers Christophorus in Mainz. Fotos: Gemeinde
Die russisch-orthodoxe Gemeinde des hl. Märtyrers Christophorus in Mainz hat am 8. August 2026 ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert. Die Göttliche Liturgie wurde von ihrem Vorsteher, Priester Matthias Fröse, zelebriert. In seiner Festansprache erinnerte er an die Entstehung und Entwicklung der Gemeinde, an eine schwierige Zeit ohne regelmäßige priesterliche Präsenz in Mainz sowie an diejenigen, die durch Gebet, Treue und persönlichen Einsatz zum Fortbestehen der Gemeinde beigetragen haben. Besonders würdigte er den früheren Gemeindepfarrer Erzpriester Johannes Nothhaas und dessen geistlichen Weg, der mit Erzpriester Sergius Heitz verbunden war. Darüber berichtete die Diözese auf ihrer Webseite.
Mit Priester Matthias Fröse konzelebrierten Priester Andrey Guva, der zweite Priester der Mainzer Gemeinde, Priester Alexander Gugenheimer von der Gemeinde des Hl. Lebensspendenden Kreuzes in Bad Kreuznach, Erzpriester Matthias Zierenberg von der Serbisch-Orthodoxen Gemeinde des hl. Lubentius in Limburg, Erzpriester Stefan Anghel und Priester Andrei Babolea von der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde des hl. Nikolaus in Offenbach am Main sowie Priester Sebastian Schmitt von der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland aus der Gemeinde des hl. Nikolaus von Myra in Frankfurt-Hausen.
Die liturgischen Gesänge wurden vom Chor der Mainzer Gemeinde unter der Leitung von Lukas Hennig vorgetragen. Die Predigt hielt Priester Andrey Guva. Unter den Gästen war auch Pfarrer Peter Sievers, Pfarradministrator der katholischen Pfarrgruppe „Katholische Kirchen in der Oberstadt“ in Mainz. Die russisch-orthodoxe Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in Räumlichkeiten der katholischen Kirche. Im Anschluss an die Göttliche Liturgie fand eine feierliche Prozession statt. Danach hielt Priester Matthias Fröse die Festansprache zum 35-jährigen Bestehen.
Der Geistliche erinnerte in seiner Festpredigt zunächst an die zurückliegende Zeit, in der die Gemeinde vor einer besonderen Herausforderung gestanden habe. Vor eineinhalb Jahren habe er aufgrund einer schweren Erkrankung in seiner Familie eine Entscheidung treffen müssen und sei nach Meisenheim gezogen. Damit sei in Mainz zunächst kein Priester mehr gewesen, der regelmäßig die Göttliche Liturgie mit der Gemeinde feiern konnte. Während er in Meisenheim Gottesdienste hielt, konnte in Mainz zunächst nur die Typika gefeiert werden. „Es war für alle eine schwere Prüfung“, sagte Priester Matthias Fröse und erinnerte daran, wie schmerzhaft und verunsichernd diese Zeit für viele Gemeindemitglieder gewesen sei.
Zugleich habe sich gerade in dieser Prüfung die Treue der Gemeinde gezeigt. Die Gläubigen hätten nicht aufgehört zu beten, Geduld bewiesen, seien der Kirche und der Gemeinde treu geblieben und hätten einander getragen. Heute seien erste Früchte dieser Gebete sichtbar: Die Kirche sei voll, viele junge Menschen fänden den Weg zur Gemeinde, und in Meisenheim sei ein zweiter Standort entstanden. Zudem seien aus der Mainzer Gemeinde drei weitere Priester hervorgegangen. Der Geistliche betonte, Gott führe eine Gemeinde durch eine Prüfung nicht immer zurück zu dem, was früher war, sondern oftmals „durch eine Prüfung hindurch zu etwas Neuem“. Eine Gemeinde lebe nicht allein von einem Priester, einem Gebäude oder äußeren Sicherheiten, sondern vor allem von Christus, dem gemeinsamen Gebet und der Treue ihrer Glieder.
Erzpriester Johannes Nothhaas und die Anfänge der Gemeinde
Mit Blick auf das 35-jährige Bestehen würdigte der Priester besonders Erzpriester Johannes Nothhaas. Dieser habe den Mut bewiesen, die Gemeinde zu gründen und über viele Jahre aufzubauen. Mitunter hätten Nothhaas und seine Ehefrau allein oder mit nur wenigen Gläubigen in der Kirche gestanden. Dennoch habe er die schwierigen Phasen mit Gleichmut angenommen und darauf vertraut, dass Gott „aus einem ganz kleinen Anfang etwas ganz Großes machen kann“.
Die Geschichte der Mainzer Gemeinde ist dabei eng mit Erzpriester Sergius Heitz (1908–1998) verbunden, einer prägenden Gestalt der Orthodoxie in Deutschland im 20. Jahrhundert. Durch seine pastorale, theologische und liturgische Arbeit führte Heitz zahlreiche Menschen zur Orthodoxen Kirche und prägte eine Generation orthodoxer Christen und Geistlicher.
Zu ihnen gehörte auch der spätere Erzpriester Johannes Nothhaas (1938–2019). Aus der evangelischen Tradition kommend und nach einem Studium der evangelischen Theologie begegnete er in Düsseldorf Erzpriester Sergius Heitz und wurde 1969 in die Orthodoxe Kirche aufgenommen. Nach weiteren theologischen Studien und seinem Eintritt in den geistlichen Dienst begann er gemeinsam mit seiner Ehefrau orthodoxe Christen in Mainz und Umgebung zu sammeln. Aus diesen Anfängen entstand die heutige Gemeinde des hl. Märtyrers Christophorus. 1995 empfing Vater Johannes die Priesterweihe und wirkte über viele Jahre als Seelsorger und geistlicher Vater der Gemeinde. Am 14. Oktober 2019 entschlief Erzpriester Johannes Nothhaas im Herrn.
Nach dem Tod von Erzpriester Johannes Nothhaas habe die Gemeinde erneut lernen müssen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, sagte der Priester. Besonders unterstützt worden sei sie in dieser Zeit von Vater Alexander. Auch Vater Stefan, Vater Matthias und Vater Olek, der am Jubiläum nicht teilnehmen konnte, hätten die Gemeinde immer wieder unterstützt. Viele Gemeindemitglieder hätten durch Gebet, praktische Hilfe und große Treue dazu beigetragen, dass das Werk weitergehen konnte.
Dank und Ehrung langjähriger Gemeindemitglieder
Für ihre langjährige Treue und ihren besonderen Einsatz für das Gemeindeleben wurden Matuschka Photini Nothhaas, Subdiakon Gerald Lütgenau, Konstantin Gebel, Lukas Hennig, Johannes Bradler und Matuschka Julia Guva geehrt. Priester Matthias Fröse erklärte, die Ehrung diene nicht dazu, menschlichen Ruhm zu verteilen. Vielmehr werde damit Gott dafür gedankt, dass er durch konkrete Menschen, ihre Hände, Gebete, Geduld und ihren stillen Dienst die Gemeinde bewahrt habe.
Die Gemeinde gedachte an diesem Festtag zugleich aller verstorbenen Geistlichen, Gemeindemitglieder und Wohltäter. Im Anschluss an die Göttliche Liturgie wurde eine Panichida für Erzpriester Johannes Nothhaas sowie für alle entschlafenen Priester, Wohltäter und Mitglieder der Gemeinde und ihres Umfelds gehalten. Priester Matthias Fröse betonte, die Erinnerung an die Verstorbenen sei nicht lediglich ein Blick in die Vergangenheit. Sie bezeuge vielmehr den Glauben daran, dass die Kirche die Grenze des Todes überschreite und die Gemeinschaft in Christus nicht ende.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Reliquien des heiligen Gorazd, eines Schülers der heiligen Slawenapostel Kyrill und Methodius, nach 1200 Jahren aus Albanien nach Mähren zurückkehrten.
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