Sechs Monate, die eine Gemeinschaft geschaffen haben

Gemeindepriester Mladen in Köln mit einer Gruppe. Foto: UOJ

Am 4. Juli endete in der Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes in Köln ein sechsmonatiges Projekt – vorerst. Sein Ziel war eine monatliche göttliche Liturgie in deutscher Sprache, offen für Gläubige aller orthodoxen Nationalkirchen. Zur Abschlusskonferenz mit geistlichem Begegnungstag kamen Taufe, Rückblick und ein gemeinsam erarbeitetes Fazit zusammen.

Es war kein gewöhnlicher Samstagmorgen. Wer hierher kam, erlebte gleich drei Anfänge auf einmal: die Einführung der neugeborenen Lena in die Kirche am vierzigsten Tag, die Rückkehr ihrer Mutter nach ebenso vielen Tagen – und die Taufe und Myronsalbung von Jonas, einem Jugendlichen, der seinen Weg in die Orthodoxie gefunden hat. Vollzogen wurden die heiligen Handlungen von Erzpriester Mladen Janjić; gelesen wurde aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser und aus dem Matthäusevangelium.

In seiner Predigt deutete Erzpriester Mladen das Zusammentreffen dieser Ereignisse als einen Ruf Gottes an seine Kinder. Es seien keine Zufälle, sondern Vorsehung: Jonas habe nicht nach einer Konfession gesucht, sondern nach Christus – denn Gott erhöre ein Gebet aus dem Herzen. Die verschiedenen Wege, die an diesem Morgen in einer Kirche zusammenliefen, zeigten eine Gemeinschaft, die durch Gott entsteht und über Herkunft und Sprache hinweg geeint wird.

Doch dieser Tag war mehr als ein Festgottesdienst. Er war der Abschluss – oder besser: das vorläufige Innehalten – eines Projekts, das vor sechs Monaten begann und das es in Köln zuvor so nicht gab: eine monatliche göttliche Liturgie in deutscher Sprache, verbunden mit Katechese, Gesprächen mit Gästen und gemeinsamem Beisammensein. Was als Angebot für Menschen gedacht war, die in den verschiedenen Nationalkirchen schwer eine Heimat finden, wurde zu einem Ort der Begegnung: Sechs Treffen in sechs Monaten, jeweils siebzig bis achtzig Teilnehmer, Vertreter aus griechischen, russischen, rumänischen, serbischen und weiteren Gemeinden. Nach Mladens grober Schätzung summierte sich das über die sechs Monate auf rund fünfhundert Begegnungen – immer wieder dieselben Gesichter, aber stets auch neue.

Ein gemeinsames Fazit

Nach der Bewirtung teilte sich die Versammlung in drei Arbeitsgruppen auf, die das Projekt jeweils unabhängig voneinander auswerteten. Das eigentliche Herzstück des Tages war jedoch das, was danach folgte: die gemeinsame Präsentation der Ergebnisse vor der Konferenz. Denn obwohl getrennt gearbeitet wurde, ergaben sich die Aussagen bemerkenswert zu einem einheitlichen Fazit.

Der Kern und der wichtigste Gewinn des Projekts seien die Liturgie in deutscher Sprache – und die daraus entstehenden Kontakte. Man begegnet sich physisch, während der Liturgie und danach: etwas, das soziale Medien nicht ersetzen könnten. Auch der Kaffee nach dem Gottesdienst, draußen vor der Kirche oder im Hof, sei kein Beiwerk, sondern ein eigener Kanal, in dem Fragen geklärt und Gemeinschaft gelebt werde.

Zugleich Selbstkritik: Das Format solle interaktiver werden – Fragerunden statt klassischer Interviews, jüngere Gäste statt ausschließlich Ältere, echte Begegnung statt bloßen Zuhörens. Der Rahmen von neun bis dreizehn Uhr sei für Neulinge eine Herausforderung; man solle das Programm straffen. Der monatliche Rhythmus dagegen wurde einhellig als richtig empfunden – auch mit Rücksicht auf die anderen orthodoxen Kirchen der Stadt. Für die Zukunft standen Ideen im Raum: Zwischenliturgien und weitere deutschsprachige Gottesdienste, zweimal jährlich eine panorthodoxe Liturgie, Workshops zu Chorgesang und Ikonenmalerei, Pilgerreisen und ein Organisationsrat, der die Vorbereitung auf mehrere Schultern verteilt.

Ausdrücklich gewürdigt wurden die serbisch-orthodoxe Gemeinde, die das Projekt herzlich trägt – und dass ethnische Präferenzen zugunsten der Gemeinsamkeit mit anderen Ethnien zurückgefahren wurden.

Über allem stand ein Gedanke, den Erzpriester Mladen formulierte und der so etwas wie das Vermächtnis des Projekts ist: Was in der Kirche geschieht, muss sich auch draußen bewähren. Man solle einander nicht nur im Gottesdienst nebeneinander stehen, sondern sich auch auf der Straße erkennen und grüßen.

„Ich finde es immer schade, wenn wir in der Kirche nebeneinander stehen und uns später nicht begrüßen. Dann sind wir Lügner."

Ein Phänomen, das aufhorchen lässt

Vater Matthias Zierenberg von der orthodoxen Gemeinde des Hl. Lubentius in Limburg an der Lahn, der Monat für Monat mit seiner Frau Silvia und den Kindern den weiten Weg nach Köln auf sich nahm, um die Gottesdienste mitzufeiern, zog im Gespräch eine eindeutige Bilanz: Das Projekt sei ohne Einschränkung ein großer Erfolg gewesen – mit steigenden, jedenfalls stabilen Besucherzahlen und positiver Resonanz auf die Inhalte. Er beobachtet ein wachsendes Interesse deutschsprachiger Menschen an der Orthodoxie, gerade unter jungen Suchenden – ein Phänomen, das sich seiner Einschätzung nach verstärken wird, während die etablierten Kirchen in Deutschland an Boden verlieren. Die Orthodoxie müsse sich dabei auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: die Glaubensfragen, ohne in Banalitäten abzugleiten. Genau das honorierten junge Menschen.

„Es gibt ein leichtes Wachstum an jungen Menschen, die eine Orientierung suchen und dann in der Kirche eine Antwort finden."

Die Zahlen des Kölner Projekts geben ihm recht. An gewöhnlichen Samstagen versammeln sich hier dreißig bis fünfzig Jugendliche in der Kirche – ein Bild, das man in dieser Stadt weder in katholischen noch in evangelischen Gemeinden findet. Erzpriester Mladen brachte es in seinem Schlusswort auf den Punkt:

„So viele junge Menschen am Samstagmorgen in der Kirche zu haben, ist ein Weltwunder."

Sein Wunsch für die Zukunft richtet sich indes auch an die eigenen Reihen: Die Gläubigen begegneten sich längst – auf dem Markt, im Café, in der Nachbarschaft. Was fehle, sei die sichtbare Bruderschaft der Priester: dass sie zusammen zelebrieren, einander besuchen, in den Kirchen der anderen predigen. Nicht Misstrauen, sondern Vertrauen müsse das Verhältnis der Gemeinden untereinander prägen. Denn die Verantwortung wirke in beide Richtungen:

„Aus einer guten Gemeinde kann ein guter Priester gemacht werden, und aus einer schlechten Gemeinde ein schlechter Priester."

Dank, Geschenke und eine Sommerpause

Zum Abschluss wurden die Priester, die das Projekt getragen und begleitet haben, mit Ikonen beschenkt – ein Zeichen des Dankes für einen Dienst, der oft im Verborgenen geschieht.

In seinem Schlusswort blickte Erzpriester Mladen Janjić auf sechs Monate zurück, an deren Anfang niemand wusste, was kommen würde – nur Ideen, Hoffnungen und der Wunsch, gemeinsam im Glauben zu wachsen. Die anfänglichen Ziele seien weit übertroffen worden: Aus vielen einzelnen Menschen sei eine lebendige Gemeinschaft geworden, deren Weg Gott gesegnet habe.

Das Projekt endet nicht – es macht lediglich eine Sommerpause. Im Herbst, so Gott will, soll der gemeinsame Weg fortgesetzt werden, mit neuen Themen, neuen Impulsen und derselben Freude. Danach lud die Gemeinde zum festlichen Agape-Mittagessen, bei dem der Tag so ausklang, wie das ganze Projekt gelebt wurde: in Freude, Dankbarkeit und Gemeinschaft.

Was in Köln in sechs Monaten gewachsen ist, lässt sich schwer in Programmpunkte fassen. Es ist der Beweis dafür, dass Orthodoxie keine isolierte Liturgie in eigener Sprache und Kultur ist, sondern eine Gemeinschaft, die Ethnien und Sprachen überwindet. Ein Fundament ist gelegt. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Bedeutung.

„Lasst uns einander lieben, damit wir einmütig bekennen können." (Göttliche Liturgie)

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