Ist es sicher, in Deutschland Christ zu sein?
Eine leere katholische Kirche. Foto: badische-zeitung.de
Vor Kurzem schrieb ein deutscher Leser, vermutlich ein Katholik, in den Kommentaren unter einer unserer Veröffentlichungen, dass er aufgehört habe, in die Kirche zu gehen, weil es heute in Deutschland unsicher geworden sei, die eigene christliche Identität offen zu zeigen. Anlass der Diskussion waren Nachrichten über Angriffe auf Kirchen, Vandalismusakte und das allgemeine Gefühl, dass Religion, besonders das Christentum, immer häufiger zum Objekt von Druck oder sogar Aggression wird. Deutschland ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.
Glaube und Sicherheit
Diesen Menschen kann man verstehen. Menschen kommen nicht nur selbst in die Kirche — sie bringen auch ihre Kinder und Familien mit. Jeder möchte sich ruhig und sicher fühlen. Doch ohne eine solche Haltung zu verurteilen, sollte man eine andere Frage stellen:
- Wann war das Christentum überhaupt sicher?
- In welchem Jahrhundert war es leicht, Christ zu sein?
- Unter welcher Herrschaft existierte die Kirche ohne Druck?
Ja, es gab Zeiten relativer Ruhe. Vielleicht erinnert sich jemand an Byzanz oder an einzelne Epochen der europäischen Geschichte. Doch wenn man auf die Geschichte der Kirche insgesamt blickt, sieht man etwas anderes: Verfolgungen, Verbote, Martyrium, Vertreibungen und Druck durch Staat und Gesellschaft begleiteten die Christen fast immer.
Der Herr Jesus Christus selbst sagte Seinen Jüngern:
„Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh. 15,20)
Und auch:
„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden“ (Joh. 16,33)
Verfolgung ukrainischer orthodoxer Christen
Der Verband der orthodoxen Journalisten in Deutschland ist Teil eines großen internationalen Mediennetzwerks. Die erste und wichtigste Website der UOJ ist seit mehr als zehn Jahren die ukrainische Plattform, die über die Lage orthodoxer Christen in der Ukraine berichtet.
Seit vielen Jahren werden dort Berichte über Kirchenraub, Verbote, Angriffe auf Gläubige und Geistliche, staatlichen Druck und die Zerstörung des kirchlichen Lebens veröffentlicht. Manchmal werden Kirchen mit Bulldozern abgerissen. Menschen werden geschlagen. Kirchen werden weggenommen. All das wird mit politischen Parolen gerechtfertigt, obwohl sich dahinter oft gewöhnlicher Hass auf die Kirche verbirgt.
Christen in Europa
Das geschieht in der Ukraine. Aber was ist mit Europa?
Gleichzeitig zeigt die moderne westliche Gesellschaft immer deutlicher eine andere Tendenz: Menschen verlassen massenhaft die katholische und die evangelische Kirche. Die einen sagen, dass das Christentum für viele zu etwas Zweitrangigem oder Symbolischem geworden sei. Andere erklären dies mit dem Unwillen, Kirchensteuer zu zahlen. Doch inzwischen kommt auch die Frage der Sicherheit hinzu.
Wenn ein Mensch sagt: „Ich gehe nicht mehr in die Kirche, weil es dort nicht sicher ist“, dann ist das nicht mehr nur eine Frage von Statistik oder Kirchensteuer. Es ist eine Frage des Glaubens, der Angst und des Vertrauens auf Gott.
Was sagen Orthodoxe?
Orthodoxe Serben, Ukrainer, Russen, Antiochener, Rumänen und andere Christen werden das Argument der Sicherheit als Grund, auf das kirchliche Leben zu verzichten, kaum akzeptieren. Ebenso wenig wohl ethnische Deutsche, Österreicher und andere Europäer, die bewusst zur Orthodoxie gefunden haben.
Für einen orthodoxen Christen, besonders wenn er bewusst zur Kirche gekommen ist, ist Komfort nicht das wichtigste Kriterium. Entscheidend ist nicht, ob es bequem ist, Christ zu sein. Entscheidend ist, auf wessen Seite wir stehen.
Auf der Seite der Angst — oder auf der Seite Gottes?
Der Herr sagt:
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können (Mt. 10,28).
Und auch:
Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich (Joh. 14,1)
Und der Apostel Paulus erinnert:
Ist Gott für uns, wer ist gegen uns? (Röm. 8,31)
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